Wenn man auf der Suche nach einer kompetenten deutschsprachigen Horrorfilm-Enzyklopädie ist, dann kommt man um Frank Trebbins Die Angst sitzt neben Dir einfach nicht herum. 1990 erschien das erste von insgesamt sechs Lexika, und 1998 brachte er eine Gesamtausgabe der Bücher auf den Markt, die neben sämtlichen Texten der vorigen Bände in zum Teil erweiterter und aktualisierter Form weitere sechshundert filmische Neuzugänge beinhaltet... und damit insgesamt 4182 Filme von 2572 verschiedenen Regisseuren umfasst! Eine stolze Summe, wenn man bedenkt, dass Trebbin im Gegensatz zu einigen Kritiker-Kollegen jeden Film wirklich gesehen und seine Bücher sogar selbst verlegt hat.

Hauptsächlich geht er auf die Horrorfilme der 50er Jahre bis in die Gegenwart ein, verwandte Genres wie Science Fiction, Fantasy und Thriller werden ebenfalls nicht vergessen. Beim gezielten Suchen nach Filmtiteln dieser Zeitspanne merkt man schnell, dass Trebbins Buch nahezu komplett ist. Lücken gibt es in Die Angst sitzt neben Dir eigentlich nur bei den Klassikern der 30er Jahre, wo man unter anderem Einträge zu James Whales The Old Dark House, Frankensteins Braut oder auch der Mamoulian-Fassung von Dr. Jekyll und Mr. Hyde vermissen mag. Doch angesichts der Menge an Infos fällt dieses kleine Manko kaum ins Gewicht – und Fans des Modernen Horrorkinos, an die sich Die Angst sitzt neben Dir in erster Linie richtet, dürfte das sowieso nicht stören. Zu jedem Film hält das Werk eine knappe Inhaltsangabe bereit sowie eine treffende und bei rechten Heulern auch augenzwinkernde Kritik, auf die man sich in der Regel verlassen kann und die dem Leser erleichtert, sich im Dschungel der Major-Produktionen und B-Movies zu orientieren. Im Anhang findet man zudem eine Liste aller Original- und Alternativtitel sowie ein Überblick über die Regisseure und deren Werke, weshalb man das Buch auch beim Recherchen zur Hand nehmen sollte. Abgerundet werden die Informationen mit Angaben zu Entstehungsjahr, Produktionsland, FSK-Freigaben, verschiedenen (handgestoppten!) Laufzeiten sowie leider sehr spärlichen Stabangaben. Im Innenteil wartet Die Angst sitzt neben Dir mit 32 Farbseiten auf, die aber in keinem Zusammenhang stehen und sich aus Filmplakaten, Aushangfotos und Filmschnipseln zusammensetzen – dabei reicht die Auswahl von relativ harmlosen Klassikern wie Dracula braucht frisches Blut bis hin zu Splattergranaten wie The Gore Gore Girls.

Trotz einiger Mankos kann man Die Angst sitzt neben Dir als DAS Standardwerk in deutscher Sprache bezeichnen. Bislang kann noch kein anderes Filmlexikon Trebbins Gesamtausgabe das Wasser reichen, auch wenn sich beispielsweise das Konkurrenzprodukt Hölle auf Erden aus dem Bertler & Lieber-Verlag mittlerweile ebenfalls zu einem sehr guten Nachschlagewerk gemausert hat. Bleibt nur noch die Frage, ob sich die Besitzer der ersten sechs Trebbin-Bände auch noch die Gesamtausgabe zulegen sollten: Meiner Meinung nach keine Fehlinvestition, da man nicht nur neue und erweiterte Inhalte bekommt, sondern sich ausserdem auch noch das lästige Suchen erspart! Eine Fortsetzung der Buchreihe ist laut Trebbin im Moment nicht geplant, aber der in Berlin wohnende Filmkenner setzt Die Angst sitzt neben Dir zur Zeit im Magazin Splatting Image fort.

 
Frank Trebbin
 
Die Angst
sitzt neben Dir
 
 
Format Gebundene Ausgabe,
821 Seiten
Verlag Selbstverlag F. Trebbin
ISBN 3-929234-03-3
Erscheinungsdatum 1998
UVP 89,95 DM
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© Christian Lorenz
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