|
Michael J. Weldons The Psychotronic Video
Guide ist die Fortsetzung seines hoch angesehenen Filmführers
The Psychotronic Encyclopedia of Film,
der bereits 1983 erschien und sich zu einem Standardwerk für
B-Movies und Exploitation-Streifen entwickelt hat. Das grossformatige
und mit 450 zum Teil seltenen Abbildungen reichlich illustrierte
Buch umfasst circa 9000 Einträge und ist eine wahre Goldgrube
an obskuren und unglaublichen Produktionen, von denen die
meisten in ähnlichen Filmlexika keine Erwähnung
finden. Etwa fünfzig Prozent des Inhalts beschränkt
sich auf Horror- und Science Fiction-Filme, der Rest widmet
sich Italo-Western, Women in Prison-Gurken, Blaxploitation-Streifen,
Martial Arts und hin und wieder auch Pre-Pornos,
die laut Weldon die Vorgänger der heutigen Hardcore-Pornos
bildeten. Die Auswahl der Filme scheint auf den ersten Blick
ziemlich bunt durcheinandergewürfelt, und häufiger
als bei der Psychotronic Encyclopedia of
Film muss man sich wundern, wie es manche Filme geschafft
haben, in diesem Buch aufgenommen zu werden. Kostspielige
Mainstream-Produktionen wie Jagd auf Roter
Oktober, Beverly Hills Cop,
Das Schweigen der Lämmer oder
auch The Abyss wirken neben Trash
wie Scream Queens Hot Tub Party oder
Sex Kittens Go To College einfach
deplaziert, die Anzahl dieser Ausrutscher liegt dank der gigantischen
Menge an Kritiken jedoch nur im Promillebereich.
Ein Manko des Buches ist wie auch beim Vorgänger der
Umfang mancher Einträge, die sich auf gerade einmal einen
einzigen Satz beschränken, der sich zudem noch einzig
auf die Handlung bezieht, ohne in irgendeiner Weise eine Wertung
über den Film abzugeben. Beispielsweise findet man bei
Cliff Guest´s Disturbance lediglich
die Bemerkung: "Timothy Greeson stars as a psycho who
kills women". Nicht gerade besonders aufschlussreich...
Ein weiteres Ärgernis ist, dass viele Querverweise ins
Leere führen unter Day of the
Dead findet man Hinweise auf die Vorgänger Dawn
of the Dead und Night of the Living
Dead, doch einen Eintrag beim zweiten Teil von Romeros
wegweisender Zombie-Trilogie sucht man vergeblich, weil dieser
Klassiker bereits in Weldons Psychotronic
Encyclopedia of Film besprochen wurde.
Trotz dieser Schwächen und einiger harmloser Fehler
(Man behind the Sun statt Men...)
kann The Psychotronic Video Guide
dem harten Kern der B-Movie-Freunde empfohlen werden. Wer
aber noch keines der Psychotronic-Bücher besitzt oder
seine Nase nur versuchsweise in die wunderbare Welt des Exploitation-Kinos
stecken möchte, der sollte auf jeden Fall zu Weldons
Psychotronic Encyclopedia of Film
greifen, da die Auswahl dort trotz weniger Einträge stimmiger
ist.
|