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Als Autor eines Horrorfilm-Lexikons dürfte der 1940
geborene John Stanley die idealen Grundvoraussetzungen erfüllen,
denn er inszenierte nicht nur selbst einen Streifen dieses
Genres (Nightmare in Blood), sondern
moderierte auch ganze sechs Jahre lang die Fernseh-Show Creature
Features, die der in San Francisco ansässige Sender
KTVU-TV von 1971 bis 1984 ausstrahlte und die sich vornehmlich
alten Horrorschinken und B-Movies widmete. 1981 veröffentlichte
Stanley schliesslich die erste Fassung seines Creature
Feature Movie Guides, der etwa 200 Seiten und immerhin
schon rund 2700 Filme umfasste. 1984 erschien die zweite Ausgabe
mit 3000 Titeln auf 300 Seiten, weitere vier Jahre später
erblickte eine abermals erweiterte Fassung mit dem neuen Titel
Revenge of the Creature Feature Movie Guide
das Licht der Welt. Alle Fassungen seines Buches boten des
Fans des Genres unzählige Informationen zu den begehrten
und zum Teil auch seltenen Zelluloid(mach)werken, aber ein
grosses Manko der Bücher war die Tatsache, dass manche
Einträge in den jeweils neueren Ausgaben plötzlich
nicht mehr auftauchten, oder sich einfach nur Querverweise
zu älteren Büchern fanden... und man somit dazu
gezwungen wurde, sich auch die veralteten Filmführer
zu besorgen. Auch die 1994 veröffentlichte vierte Ausgabe
Creature Feature Movie Guide Strikes Again
- mit stolzen 5600 Einträgen wies diesen Mangel
auf. Diese Kinderkrankheiten konnten erst in den beiden letzten
Fassungen von 1997 und 2000 in der Updated Edition
endgültig beseitigt werden, denn Creature
Features: The Science Fiction, Fantasy and Horror Movie Guide
ist endlich zu einem völlig eigenständigen Lexikon
herangewachsen, so dass man auf die Vorgänger nicht mehr
angewiesen ist.
Im Gegensatz zu anderen Movie Guides wie beispielsweise
der Overlook Film Encyclopedia beschränkt
Stanley die Inhaltsangaben der Filme auf wenige Sätze,
um dafür mehr auf Hintergrund-Informationen und die Leute
vor und hinter den Kameras einzugehen. Ein lobenswertes Konzept,
das letztlich aber nur halbherzig umgesetzt worden ist, weil
es dem Autor offensichtlich entgangen ist, dass sich manche
Regisseure lieber hinter einem Pseudonym verstecken, als ihren
Namen für einem billigen Schund herzugeben zum
Beispiel wird bei Man-Eaters of Hydra
(Das Geheimnis der Todesinsel) als
Regisseur Mel Welles aufgeführt, obwohl sich hinter diesem
Künstlernamen Ernst von Theumer verbirgt. So bleiben
auch die wahren Leute hinter dem gerne genutzten Pseudonym
Alan Smithee (Hellraiser IV,
Bloodsucking Pharaos of Pittsburgh)
im Dunkeln.
Die Freunde des Splattergenres werden Gefallen an dem Buch
finden, da Stanley gerade bei der härteren Kost gerne
die blutigen Höhepunkte dieser Filme hervorhebt. Es gibt
jedoch keine Bewertung der Einträge nach einem Härtegrad
wie beispielsweise bei Die Angst sitzt neben
Dir oder bei The Gore Score,
sondern eine einfache Skala zwischen einem und fünf Sternen
(einschliesslich halben Sternen), die über
die Qualität des Streifens aussagen soll. Wie allerdings
eine Hightech-Gurke wie Lost in Space
sensationelle 3 1/3 Sterne ergattern kann, Deep
Impact eine ebenso hohe Wertung bekommen hat wie Camerons
The Abyss (vier Sterne) und obendrein
noch Batman Forever als bester Teil
der Kinoserie um den Dunklen Ritter gefeiert wird,
bleibt mir ein Rätsel. Aber über Geschmack kann
man ja bekanntlich streiten... Unverzeihlich ist dagegen der
Fehler, dass der Mörder im ersten Teil der Freitag
der 13.-Serie Jason ist...
Trotz dieser Schwächen bleibt Creature
Features mein erster Griff ins Buchregal, wenn ich
Informationen über einen bestimmten Film suche. Da sich
die Auswahl der Filme bis auf wenige Ausnahmen auf Genrestreifen
beschränkt, kann man sich eigentlich ziemlich sicher
sein, dass man hier in der Fülle von schätzungsweise
6000 Titeln auch etwas findet. Vielleicht sollte Stanley in
der siebten Ausgabe weniger Wert auf Neueinträge legen,
und stattdessen Jagd auf Fehler machen.
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