|
In weitgehend unbekannten Gebieten des Filmbusiness, in die
rennomierte Filmkritiker wie Roger Ebert oder Leonard Maltin
keinen Fuss zu setzen wagen, beginnt die irrsinnige Welt von
Michael Weldon. Der in New York lebende Filmfreak ist seit
seiner Kindheit auf der Jagd nach allen möglichen Streifen,
die am Interesse des breiten Publikums vorbeiproduziert oder
gleich für Bahnhofskinos gedreht wurden. Er selbst bezeichnet
diese Filme als Psychotronic Movies, wobei sich
das Wort aus Psycho und Electronic,
stellvertretend für die Genres Horror und Science Fiction,
zusammensetzt. Dabei richtet sich sein Interesse nicht ausschliesslich
auf diese beiden Filmarten, sondern zum Phantastischen
Film gesellen sich auch jede Menge Streifen der Sexploitation
á la Russ Meyer, Biker-Filme, italienische Menschenfressermovies,
Elvis-Presley-Trällershows, Western mit angehenden US-Präsidenten
sowie diverse Tarzan-Heuler. In seinem Buch The
Psychotronic Encyclopedia of Film hat Weldon sein gesamtes
Repertoire an Filmreviews zusammengefasst über
3000 Filme auf rund 800 Seiten! Der Videojunkie findet hier
(fast) alles, wovor der Durchschnitts-Kinogänger die
Flucht ergreifen würde. Man entdeckt Monster der 50er
und 60er Jahre, Alligator People,
Killertomaten, mexikanische Mumien (Attack
of the Mayan Mummy), Gore von Altmeister H.G. Lewis,
Genreverquickungen wie Billy the Kid vs.
Dracula... und mittendrin den ersten Horrorfilm in
Zeichensprache: Deafula!
Wer also einen Führer durch das Land der wirklich grottigen
Zelluloidkost benötigt, dem kann The
Psychotronic Encyclopedia of Film nur wärmstens
empfohlen werden. Die Begeisterung, die Weldon beim Konsumieren
der Filme verspürt hat, kann man aus den Zeilen des Buches
förmlich herauslesen. Auf markante Stellen geht er in
den Reviews besonders ein bei den Horrorstreifen die
blutigen Details, bei den speziell an ein männliches
Publikum gerichteten Filmen die Szenen, wenn weibliche Stars
oder Starlets aus den Klamotten springen. Hin und wieder wird
man in dem Buch auch einen Eintrag entdecken, der augenscheinlich
nicht zum Rest passt (z.B. Dr. Strangelove),
aber der Autor erweist sich hier als nicht sehr wählerisch.
Grössere Mankos sind dagegen der Umfang mancher Texte,
die wirken, als hätte Weldon sie lediglich von einer
Videokassette oder einem Werberatschlag abgepinnt und das
zu dünne Papier des Buches. Da The
Psychotronic Encyclopedia of Film auf dem Gebiet der
Filmlexika des schlechten Geschmacks aber einmalig
ist, sollte man darüber hinwegsehen.
1996 veröffentlichte Michael Weldon eine Fortsetzung
zu diesem Buch mit dem Titel The Psychotronic
Video Guide, doch die Psychotronic
Encyclopedia bietet eindeutig die bessere Auswahl an
Filmen und sollte dem Nachfolger vorgezogen werden, auch wenn
dieses Buch mit etwa 9000 Filmen dreimal soviele Einträge
aufweist. Weiterhin ist der Autor Herausgeber des Magazins
Psychotronic Video.
|