Vor etwa zwanzig Jahren – genauer gesagt 1984 – veröffentlichte Phil Hardy die erste Ausgabe seines Nachschlagewerkes, welches sich speziell an Freunde des Science Fiction-Genres wandte und sehr schnell zu einem Referenzwerk in dieser Richtung entwickelte. Die Rede ist von der Overlook Film Encyclopedia: Science Fiction, die in England mit identischem Inhalt als The Aurum Film Encyclopedia: Science Fiction auf den Markt kam. Erst 1998 ist das Buch endlich in deutscher Übersetzung veröffentlicht worden als Science Fiction-Filmenzyklopädie.

Vom Umfang und Informationsgehalt kann Hardys Buch jedes deutschsprachige Filmlexikon, welches zu diesem Thema bislang erschienen ist, um Längen schlagen. Zwar ist das 560 Seiten starke Werk auf dem Stand von 1997 und somit nicht gerade aktuell (der letzte Eintrag ist Starship Troopers gewidmet), aber dafür geht es auch auf Filme ein, die noch vor dem Beginn des vergangenen Jahrhunderts entstanden sind! Im Gegensatz zu ähnlichen Büchern sind die Filme nicht alphabetisch geordnet, sondern in chronologischer Reihenfolge, beginnend bei den noch recht experimentellen Kurzfilmen von Lumière und Méliès, über die Stummfilm-Ära und die Monsterstreifen der 50er Jahre bis hin zum modernen Effektspektakel. Nur innerhalb eines bestimmten Jahrganges werden die Einträge nach dem gängigen Schema von A bis Z sortiert. Auf dem ersten Blick erschwert diese Anordnung das gezielte Suchen eines Filmes, wenn man nicht das exakte Jahr des Erscheinens kennt. Auf der anderen Seite macht das Herumstöbern in dem Werk umso mehr Spass, weil man so sämtliche Kunst- und Machwerke eines Jahres direkt miteinander vergleichen kann. Jedes Jahrzehnt wird ausserdem mit einem kurzen Text eingeläutet, der auf Veränderungen der Produktionsbedingungen, neue Tricktechniken und erkennbare Trends eingeht. Zu jedem Film gibt es eine neben den wichtigsten Namen am Set wie Regisseur, Produzenten, Kameraleuten, Effektspezialisten und natürlich den Hauptdarstellern eine kurze Inhaltsangabe sowie eine Vielzahl an Hintergrund-Informationen. Dazu gehören unter anderem Vergleiche mit ähnlichen Produktionen, erzielte Auszeichnungen, Verweise auf Literaturvorlagen sowie eine persönliche Einschätzung des Verfassers, die in der Regel ins Schwarze trifft. Auf Zitate anderer Kritiker, wie es beim Lexikon des Science Fiction-Films von Ronald M. Hahn und Volker Jansen der Fall ist, verzichtet Hardy völlig. Im Anhang des Buches findet man eine alphabetische Liste nach Filmen (incl. Original- und Alternativtiteln) und Verweisen auf das Erscheinungsjahr, ausserdem eine leider veraltete Aufzählung der erfolgreichsten Science Fiction-Filme. Als Gimmick hält Hardy noch die persönlichen Top Ten einiger namhafter Personen des Genres bereit, darunter Arthur C. Clarke, Ramsey Campbell oder Stephen Jones.

Für Fans des Genres ist Die Science Fiction-Filmenzyklopädie wirklich uneingeschränkt zu empfehlen, zumal sich das Repertoire nicht nur auf amerikanische und europäische Filme beschränkt. Eine optimale Ergänzung zu diesem tollen Buch ist The Overlook Film Encyclopedia: Horror vom gleichen Verfasser. Wer beide Bücher besitzt, hat fast den gesamten Bereich des Phantastischen Films abgedeckt, da sich diese Werke perfekt ergänzen.

 
Phil Hardy
 
Die Science Fiction-Filmenzyklopädie
 
 
Format Paperback, 560 Seiten
Verlag Heel
ISBN 3-89365-601-4
Erscheinungsdatum 1998
UVP 39.95 DM
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© Christian Lorenz
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