Die Subgenres der Fantasy
  Filme dieses Subgenres bilden die Königsklasse der Fantasy. Die Geschichten werden in epischen Ausmassen erzählt und berichten von fremdartigen, exotischen Welten, die liebevoll bis ins Detail ausgearbeitet worden sind. Oftmals geht es in den Filmen um die gefährlichen Erlebnisse einer Handvoll Abenteurer, die auf eine schier unlösbare Mission gesandt werden, um eine magische Aufgabe zu erfüllen und unterwegs sowohl auf die Handlanger des Feindes als auch freundlich gesonnene Charaktere stossen, die ihnen wertvolle Hinweise zum   Lösen der gestellten Aufgabe geben können. In der Literatur stösst man sehr häufig auf Werke der Epischen Fantasy (= High Fantasy) - so zum Beispiel die Drachenlanze-Zyklen von Margaret Weis und Tracy Hickman - auf Zelluloid sieht es momentan noch ziemlich mager aus. Im Fahrwasser der Tolkien-Verfilmung Der Herr der Ringe dürfte sich das freilich in den nächsten Jahren ändern. Ein weiteres Beispiel für dieses Genre ist Record of Lodoss War, ein mehrstündiger Zeichentrickfilm.
 

    Wie der Name schon vermuten lässt, spielen sich die Geschichten dieser Kategorie in der Vergangenheit ab und vermischen historische Fakten und überlieferte Legenden mit Elementen des Fantasy-Films. So werden berühmte Persönlichkeiten wie ehemalige Könige oder Abenteurer beispielsweise mit Zauberei und Magie in Verbindung gebracht. Zum Beispiel werden von den Filmemachern gerne die Sagen und Legenden um „König Artus und die Tafelrunde“ in Filmen wie Excalibur – Das Schwert der   Macht oder Camelot – Am Hofe König Arthurs aufgegriffen. Noch mehr Freiheiten für eigene Ideen bleibt den Drehbuchautoren bei Adaptionen von Homer´s "Odyssee", verfilmt unter anderem 1954 als Die Fahrten des Odysseus und 1997 als TV-Produktion mit modernen Trickeffekten unter dem Titel Die Abenteuer des Odysseus. Die historischen „Fakten“ dieser Filme sollte man freilich nicht allzu ernst nehmen, aber es soll ja in jeder Geschichte ein Fünkchen Wahrheit stecken...
  Die Suche nach Schätzen, Reliquien oder einfach nur wissenschaftliche Neugier führt eine Gruppe von Abenteuern in eine fremdartige Welt, in der sie auf prähistorische Kreaturen, Eingeborene oder seltsame Fabelwesen stossen. Die Vielfalt dieses Subgenres reicht von Blockbustern wie der Indiana Jones-Kinoserie bis hin zu eher billigen Ablegern wie Der sechste Kontinent oder Tauchfahrt des   Schreckens. Bereits 1912 legte Sherlock Holmes-Vater Sir Arthur Conan Doyle mit der Veröffentlichung des Buches The Lost World den Grundstein für diese Filmkategorie. Die erste einer ganzen Reihe von Verfilmungen dieses abenteuerlichen Ausfluges in die Urzeit entstand bereits 1925 und wurde durch die damals bahnbrechenden Trickeffekte von Willis O´Brien zu einem Klassiker.  

 

  Die Geschichte der Superhelden begann irgendwann in den Anfängen des letzten Jahrhunderts, als die grossen amerikanischen Zeitungen ihr Informationsangebot mit kurzen Comicstrips aufzulockern begannen. Zu den ersten Stars im Universum der Striche und Sprechblasen gehörten Flash Gordon, Buck Rogers und Das Phantom, doch blieb der Umfang der Comicstrips zunächst auf nicht viel mehr als "Lückenfüller" beschränkt. Erst 1938 widmete man ein komplettes Heft einem Zeichentrickhelden, der auch heute nichts von seiner  

Popularität verloren hat: Superman! In den nächsten Jahrzehnten wurden einige der Ideen endlich auch für das Fernsehen adaptiert und Batman, Captain America und einige weitere Maskenmänner durften sich über den Bildschirm prügeln. Doch erst mit der spektakulären Verfilmung Superman im Jahr 1978 begann die Renaissance der Kinohelden. Seit diesem Millionenerfolg tauchen in regelmässigen Abständen immer wieder neue Superhelden auf der grossen Leinwand auf (X-Men, Spawn, Spiderman).

  Auch oft als Heroische Fantasy bezeichnet, gehört dieses Subgenre zu den actionlastigeren Vertretern der Fantasy. Im Mittelpunkt steht ein wortkarger Krieger, der gegen einen übermächtigen Gegner antritt, um den schiefen Haussegen einer meist ungemütlichen Landschaft wieder geradezurücken. Als Belohnung für vollbrachte Heldentaten winken Reichtum, Macht und schöne Frauen. Das Element der Magie wird hierbei eigentlich nur von der bösen Seite benutzt - der Kämpfer dagegen verlässt sich lieber auf den blanken Stahl, um sich durch die Reihen seiner Feinde zu schlagen.   Die ersten Filme dieses Genres entstanden in den 40er Jahren und viele Jahre vor Arnold Schwarzenegger´s Conan schwang "Mister Universum" Steve Reeves in Sandalenfilmen wie Herkules und die Königin der Amazonen oder Die unglaublichen Abenteuer des Herkules das Schwert. Die Damen spielen in den bisweilen ziemlich trashigen Auswüchsen der "Sword & Sorcery" eher eine Nebenrolle, dürfen um das Leben ihres Helden fiebern und optische Reize setzen. Nur selten spielt eine Frau die Titelrolle (Heavy Metal).

 

    Die Filme der Zeitgenössischen Fantasy, die hin und wieder auch als „Urbane Fantasy“ bezeichnet wird, erzählen magische Geschichten in der Gegenwart. Phantastische Dinge passieren plötzlich in unserer gewohnten Umgebung und stürzen den langweiligen Alltag in ein Chaos (Highlander – Es kann nur einen geben), oder ein Protagonist betritt durch eine unsichtbare Pforte eine imaginäre Parallelwelt, um dort haarsträubende Abenteuer zu bestehen und zum   guten Schluss wieder in die Wirklichkeit geschleudert zu werden (Die unendliche Geschichte). Ein Film, der zur Zeit in aller Munde ist, ist Harry Potter und der Stein der Weisen beziehungsweise dessen Sequels. Auch Filme wie Beinahe ein Engel oder das John-Travolta-Vehikel Michael, in denen himmlische Boten eine tragende Rolle spielen, können zur Zeitgenössischen Fantasy gezählt werden.
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© Christian Lorenz
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