Die Subgenres des Horrors
  Willkommen in Sumpf des Schmuddelkinos! "Exploitation" bedeutet übersetzt "Ausbeutung" - gemeint ist damit die Tatsache, dass bestimmte Tabuthemen zur reinen Sensationsbefriedigung des Zuschauers und zum Selbstzweck ausgebeutet werden. Die Filme werden von kleinen Firmen mit minimalen Kosten produziert und schnell heruntergekurbelt, um grösstmöglichen Profit zu erzielen. Einen kleinen Zweig der Exploitation bildet die Blaxploitation, dabei handelt es sich um Filme von Afro-Amerikanern, die mit schwarzen Darstellern für ein afro-amerikanisches Publikum gedreht worden sind. Auch im Phantastischen Genre sind dabei einige Produkte entstanden, zum Beispiel Blackenstein und Blacula. Den grössten Anteil nehmen jedoch die Filme der Sexploitation für sich in Anspruch, die oft auch mit dem Begriff Sleaze ("anrüchig") umschrieben werden. Wie der Name schon vermuten lässt, gilt es hier, möglichst viel nackte Haut und möglichst wenig Handlung unter   einen Hut zu bringen. Zu den harmloseren Werke dieser Gattung gehören die Nudies, Kopulations-Vorlagen für FKK-Anhänger und Nudisten. Härter zur Sache geht es bei den anderen Kategorien dieser vor allem in den 70er Jahren recht populären Gattung : Rape & Revenge-Streifen handeln von Rachefeldzügen missbrauchter Frauen (Last House on the Left), in den Women in Prison-Filmen geht es um brutale Folterungen und Lesbensex hinter schwedischen Gardinen (Sadomania) und in den berüchtigten Werken der Nunsploitation beschäftigen sich mit unanständigen Machenschaften hinter dicken Klostermauern (Die Liebesbriefe einer portugiesischen Nonne). Dass es aber noch eine Stufe extremer geht, beweisen die Filme der Naziploitation: vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkrieges sind hier Dutzende von primitiven Trash - Produktionen entstanden, die hierzulande so manchem Staatsanwalt Kopfzerbrechen bereitet haben. In Produktionen  


wie Love Camp 7 geht es um Frauen, die in "Liebeslagern" der Nazis gefoltert und missbraucht werden. Neben den Splatterfilmen gehören die Filme dieser Gattung zu den Werken, die dem gesamten Horrorgenre einen ziemlich miserablen Ruf eingebracht haben, obwohl die meisten Vertreter dieser Kategorie mit Horrorstreifen eigentlich nichts zu tun haben.

    Regisseure begeben sich auf einen schmalen Grat, wenn ein Film produziert werden soll, der zwar eindeutig dem Horrorgenre zuzuordnen ist, aber auf jegliche Gewaltdarstellungen verzichtet. Durch optische Tricks wie verzerrte Kameraperspektiven, das geschickte Zusammenspiel von Licht und Schatten sowie akustische Effekte (quietschende Türen, knarrene Dielenbretter) erreicht man ein Höchstmass an Atmosphäre und Nervenkitzel. Der Horror entsteht hier erst im Kopf des Zuschauers.  

Es ist nicht vielen Filmemachern gelungen, einen wirklich fesselnden Gruselfilm zu inszenieren. Allzu oft sind die Ergebnisse eher unfreiwillig komisch als unterhaltend. Der beste und bisher unerreichte Streifen auf diesem Gebiet ist der Klassiker Bis das Blut gefriert, in dem der Horror eigentlich nur durch Soundeffekte erzeugt wird. Zu den neueren Vertretern dieses Subgenres gehören der Überraschungshit Blair Witch Project und der Spukhaus-Thriller The Others.

  Horrorthriller beschäftigen sich mit übernatürlichen und okkulten Mächten, die sich zunächst unbemerkt im Unterbewusstsein eines Protagonisten einnisten. Religiöse Motive tauchen sehr oft in Filmen dieses Genres auf - in Gestalt von seelenfressenden Dämonen (Der Exorzist), Voodoo-Spuk (Die Schlange im Regenbogen) oder Satanismus (Rosemaries Baby, Das Omen).   Glaube und Aberglaube spielen eine entscheidende Rolle im Horrorthriller. Neben religiösen Ursachen können auch wissenschaftliche Forschungen als Auslöser des Wahnsinns dienen: so geschehen in Altered States, in dem sich ein Forscher durch Manipulationen seines Verstandes langsam in einen Urzeitmenschen zurückverwandelt.  
    Grob übersetzt bedeutet Dai Kaiju Eiga (so lautet die korrekte Bezeichnung) schlicht "Riesen-Monster-Film", was die Filme dieses Genres schon recht treffend beschreibt. Geistiger Vater dieses leider oft nur belächelten Zweiges des "Phantastischen Films" war Ishiro Honda, der 1954 mit Godzilla nicht nur den Grundstein für das Genre legte, sondern in den folgenden Jahren zahlreiche Sequels inszenierte, die mit immer skurrileren Monsterkreationen wie der Motte Mothra oder der Riesenkrabbe Ebirah aufwarten konnten. Zunächst war noch deutlich zu erkennen, dass amerikanische Monsterfilme wie   The Beast from 20.000 Fathoms oder King Kong als Vorbilder für die japanischen Produktionen dienten. Doch schnell entwickelte sich eineigener Stil, der mit ähnlichen Filmen aus westlichen Produktionen nicht allzu viele Gemeinsamkeiten aufwies - dafür waren die Monster einfach zu ausgefallen und die Miniatur - Kulissen trotz aller Liebe zum Detail allzu deutlich als solche zu erkennen. Trotzdem sollte man den Begriff Dai Kaiju Eiga nicht nur auf fernöstliche Monsterfilme anwenden, sondern allgemein als Begriff für alle Filme verwenden, in denen übergrosse Ungeheuer eine Rolle spielen.
  Der Monsterfilm ist so alt wie das Kino selbst. Bereits in den ersten zwanzig Jahren des letzten Jahrhunderts erschreckten Schauerwesen wie Frankenstein (1912), The Werewolf (1913) und Der Golem (1913) die Zuschauer. Das Sortiment an Ungetümen ist im Lauf der Jahre natürlich immer mehr erweitert worden und reicht mittlerweile von den "Standardmonstern" bis hin zu konfusen Klonen wie mechanischen Werwölfen (Metal Beast), menschenähnlichen Kakerlaken (Mimic) oder männerfressenden Aliens mit   Model-Maßen (Species). Ein grosses Subgenre des Monsterfilms bildet der Tierhorror: eine auf den Kopf gestellte Fauna macht den Darstellern das Leben zur Hölle - seien es nun winzige Insekten (Them!, Mosquito, Arachnophobia), schleimige Amphibien (Python, Frogs), bissige Wasserbewohner (Piranha, Der weisse Hai) oder eher "konventionelle" Fleischfresser in Gefangene der Bestien (Löwen) und Grizzly (Meister Petz). Vampirfilme und der Kaiju Eiga sind weitere Kategorien des Monstergenres.  
    In den 90er Jahren erlebte das Mysterygenre durch die Einführung der Serie Akte X einen gigantischen Boom, auf den gleich eine ganze Reihe von Fernsehserien folgten (Millenium, Pretender, X-Factor). Obwohl die Themen dieser Filmkategorie sehr weit auseinanderliegen, haben doch alle Veröffentlichungen etwas gemeinsam: es dreht sich um unerklärliche Phänomene, übernatürliche Ereignisse oder geheime Verschwörungen, die nicht für das Licht der Öffentlichkeit bestimmt sind. Es gibt eine ganze Reihe von Fragen,   die immer wieder gerne als Basis für einen Mysteryfilm dienen: gibt es ausserirdisches Leben oder leben Aliens vielleicht schon unter uns? Gibt es Telekinese oder Telepathie? Warum gibt es die Pyramiden - sind es lediglich gigantische Grabstätten oder Wegweiser für Ausserirdische? Mystery ist eine Fusion aus Horror- und Science Fiction-Elementen, aber im Gegensatz zur Fantasy, wo man unwirkliche Elemente (Magie, Fabelwesen) einfach als gegeben hinnehmen muss, wird bei der Mystery alles mit "wissenschaftlichen" Theorien erklärt.
  Slasher handeln von sexuell gestörten Psychopathen, die durch ein traumatisches Erlebnis in ihrer Kindheit vom Pfad der Tugend gekommen sind und in ihrere eigenen Phantasiewelt für Recht und Ordnung sorgen wollen, indem sie "unanständigen" Teenagern die Lebensadern durchtrennen wollen. Obwohl Norman Bates in Psycho genau in diese Rolle passt, begann das Zeitalter des Slashers so richtig erst Ende der 70er Jahre mit dem Erscheinen von Halloween - Eine Nacht des Grauens und Messermurkser Michael Myers. John Carpenter´s unerwarteter Erfolgsfilm zog eine Vielzahl an mehr oder weniger   guten Plagiaten nach sich (Maniac, Der New York Ripper), bis man mit diesen Filmen irgendwann keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervorlocken konnte. Erst mit der Slasher-Parodie Scream begann in den 90ern eine Renaissance des Genres, die in den letzten Jahren solche Filme wie Ich weiss, was Du letzten Sommer getan hast, Düstere Legenden und Cut hervorgebracht hat. In Bezug auf Slasher fällt oft der Begriff "Camp Movies" - gemeint sind hier Filme, die in Ferienlagern und ähnlichen Einrichtungen spielen. Der bekannteste davon ist zweifelsohne Freitag der 13.  
    Was in den Sechzigern mit Filmen wie Graf Zaroff - Genie des Bösen oder The Flesh Eaters für heutige Verhältnisse noch eher harmlos begann und durch Romero´s Zombie perfektioniert wurde, rief eine riesige Welle an Nachahmern hervor. Seitdem bilden Splatterfilme den makabren und auch umstrittenen Höhepunkt des Horrorgenres. Spannungsaufbau und Handlung sind Nebensächlichkeiten, denn alles dreht sich hier um blutige und möglichst realistische Spezialeffekte. Leider werden solche Filme von den Moralaposteln immer wieder angeprangert, ohne zu berücksichtigen, dass heutzutage auch grosse Hollywood - Produktionen nicht an Splattereffekten sparen (man   denke an die Schlachtszenen in Mel Gibson´s Braveheart). In den letzten Jahren schufen die Kultregisseure Brian Yuzna und Peter Jackson mit ebenso überdrehten wie auch blutigen Komödien wie Society und Braindead den Begriff "Fun-Splatter". Wenn es sich bei den blutigen Tricks lediglich um möglichst unappetitlich arrangierte (Tier-)Eingeweide handelt, spricht man von Gore Movies (eventuell auch Guts and Gore). Der umstrittenste Macher solcher Produktionen war Herschell Gordon Lewis mit ziemlich miserablen, aber dafür umso heftigeren Filmen wie The Gore Gore Girls oder The Wizard of Gore, die ihm letztlich den Titel "Godfather of Gore" einbrachten.
  Eigentlich gehören Vampirfilme zu den Monsterfilmen, aber wegen der schier unüberschaubaren Menge an Titeln, in denen Blutsauger ihr Unwesen treiben, bilden sie fast wieder ein eigenständiges Genre. Dreht man die Zeitmaschine zurück, wird man erfreut feststellen, dass einer der ersten Vampirklassiker in unseren Landen entstand - und wegen rechtlichen Streitigkeiten mit den Eigentümern der Dracula-Novelle fast im Ofen gelandet wäre. Glücklicherweise konnte Friedrich   Wilhelm Murnau´s Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens trotz dieser Probleme die Zeiten überdauern und heute das Herz von Freunden ton- und farbloser Horrorklassiker erfreuen. Freilich hat sich seit diesen Zeiten sehr viel getan und Graf Dracula hat sich vom steifen Adeligen (Bela Lugosi´s Dracula, 1931) über den lüsternen Verführer (Christopher Lee´s Horror of Dracula, 1958) bis hin zum ultracoolen "Daywalker" (Wesley Snipes´ Blade, 1998) gewandelt.  
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© Christian Lorenz
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