Die Subgenres der Science Fiction
  Die Fusion zwischen Mensch und Maschine beschreibt der Cyberpunk. Die Charaktere können realistisch wirkende virtuelle Welten erkunden, sich über perfektionierte digitale Kommunikations - Möglichkeiten miteinander verständigen, und im extremsten Fall sogar bis zu einem gewissen Grad mit Maschinen verschmelzen. Häufig spielen die Filme in nicht allzu ferner Zukunft in Ländern, die von mächtigen Konzernen statt von Politikern geleitet werden. Die Bevölkerung wird in ein säuberlich getrenntes
  Zwei - Klassen - System gepresst und mit neumodischen HighTech-Apparaturen bei Laune gehalten (besonders krass: Matrix). Der Autor William Gibson legte mit seinem Roman Neuromancer 1984 den Grundstein für dieses Genre. David Cronenberg´s eigenwilliger Film eXistenZ und Ridley Scott´s Klassiker Blade Runner sind die Paradebeispiele für Cyberpunk-Movies, aber auch Strange Days und Steven Spielbergs Minority Report kann man diesem Genre zuordnen.
 
    Dysutopien sind von der Thematik her dem Endzeitfilm zuzuordnen. Doch während im "normalen" Endzeitszenario die Welt durch atomare Katastrophen oder Kriege weitestgehend verwüstet worden ist, basiert das Abdriften der Zivilisation in den Wahnsinn bei den Dysutopien eher auf sozialen oder politischen Motiven. Im Klassiker Jahr 2022 ... die überleben wollen vegetieren die Menschen in einem hoffnungslos überbevölkerten Grossstadtmoloch dahin, in George Orwell´s 1984 werden die Bürger des imaginären Staates Ozeanien auf Schritt und   Tritt vom "Big Brother" überwacht und in Francois Truffaut´s düsterer Vision Fahrenheit 451 versuchen die Machthabenden eines autoritären Staates, durch das Verbot des Lesens und die Jagd auf Besitzer von Schriftstücken jeglichen freien Gedanken zu unterbinden. Ein aktueller Versuch, an die Orwell-Thematik anzuknüpfen, war der 1997 entstandene Gen-Thriller Gattaca, in dem es um den Klassenkampf zwischen einer gentechnisch perfektionierten Herrenrasse und den "Normal - Geborenen" geht.
  Endzeitfilme spielen mit der Angst des Zuschauers vor dem Weltuntergang. Diese düsteren Szenarien schildern ein unwirtliches Leben in einer aus den Fugen geratenenen Welt. Als Ursache für dass chaotische Zeitalter der „Endzeit“ dient meistens ein globales Desaster wie eine Seuche (Das letzte Gefecht) oder ein Atomkrieg (The Day After), der jedes grüne Fleckchen auf unserem Planeten in eine radioaktive Wüste verwandelt. In selteneren Fällen liegt der Vernichtung der Zivilisation eine Naturkatastrophe oder Umweltprobleme zugrunde.   Postapokalyptische Filme hatten in den 80er Jahren Hochkonjunktur. Die bekanntesten Werke dieses Genres dürften die Filme der Mad Max-Trilogie sein, die alle herausragenden Elemente des Endzeitgenres in sich vereinigen: zerstörte Städte, eine zerrissene Gesellschaft ohne soziale Strukturen, Nomadentum. Vor allem aus Italien schwappte in diesen Jahren eine Welle billiger Endzeitschinken, die sich auch frech beim Barbaren- und Biker-Film bedienten. Einer der besseren Streifen aus diesem Land ist The Riffs – Die Gewalt sind wir.
 
    Dieses Subgenre der Science Fiction taucht eigentlich ausschliesslich in der Literatur auf. Es geht um utopische Geschichten mit einem streng wissenschaftlichen Hintergrund, in denen jegliche heutzutage bekannten Tatsachen bis ins kleinste Detail berücksichtigt werden. Da allzu wissenschaftliche Themen wohl wegen dem fehlenden Unterhaltungsfaktor von den Filmproduzenten verschmäht werden, muss man schon eine   ganze Weile suchen, bis man einen Film entdeckt, der sich mit etwas Phantasie in diese Schublade stecken lässt. Stanley Kubrick´s 2001 - Odyssee im Weltraum ist so ein Fall und wurde mit einer solchen Detailgenauigkeit inszeniert, dass selbst jedes winzige Schräubchen an den Fortbewegungsmitteln der Astronauten nach wissenschaftlichen Gesichts - Punkten ausgewählt wurde.
  "Was wäre wenn..." ist die grundlegende Frage bei Filmen, deren Handlungsbogen sich gleich auf mehrere parallele Welten erstreckt. Die Idee dahinter ist, dass eine in unserer Dimension gefällte Entscheidung in einer anderen Dimension auf eine ganz andere Weise getroffen worden ist... mit völlig anderen Konsequenzen! Die TV-Helden der Serie Sliders zappen sich beispielsweise von Episode zu Episode durch fremde Welten und Michael J. Fox unternimmt mit seinem zu einer Zeitmaschine   umgebauten Sportwagen Reisen durch die Jahrzehnte und hat seine liebe Not damit, nicht durch Fehler in der Vergangenheit die ganze Zukunft auf den Kopf zu stellen (Zurück in die Zukunft). Dass es durchaus auch ernsthafter geht, beweist die Thomas - Harris - Adaption Vaterland, die das Szenario schildert, Adolf Hitler hätte den Zweiten Weltkrieg gewonnen und würde nun den US-Präsidenten nach Berlin einladen, um mit diesem einen Friedensvertrag abzuschliessen...  
    Die 50er Jahre brachten eine Flut an Science Fiction-Filmen hervor, die durch den Kalten Krieg und die Ängste vor einer möglichen politischen Invasion Amerikas durch russische Eindringlinge geprägt waren. In den Filmen dieser stark von McCarthy´s anti- kommunistischem Verfolgungs - wahn beeinflussten Epoche wurde die Bevölkerung meist durch ausserirdische Wesen bedroht, die   unbemerkt ganze Städte unterwandern und so die Macht an sich reissen. Der bekannteste Film dieser Ära ist Die Dämonischen, in dem Menschen nach und nach durch ausserirdische Klone ersetzt werden. Eine ganz ähnliche Thematik hat Invasion vom Mars, der einen kleinen Jungen Zeuge einer extraterrestrischen Machtübernahme werden lässt.
  Wie der Name schon sagt, handelt es sich hier um eine Verquickung des Horrorgenres mit der Science Fiction. Während ausserirdische Lebensformen in gängigen Science Fiction-Filmen entweder freundlich gesonnen oder mit allerhand HighTech-Spielzeug einen Krieg beginnen, so gehen die Aliens in diesem Subgenre wesentlich rabiater zur Sache. Zum Töten der Gegener benötigen die Kreaturen   keineswegs Waffen, sondern es genügen hier scharfe Krallen, gesunde Beisserchen und etwas Einfallsreichtum. Der Vater aller SF-Horrorfilme ist Ridley Scott´s bisher unerrreichter Schocker Alien und trotz der vielen SF-Elemente (das Raumschiff "Nostromo", der Computer "Mutter") handelt es sich bei genauer Betrachtung doch "nur" um einen Monsterfilm.  
    Wenn man von grossen Abenteuern im All spricht, deren Handlungsschauplätze auf mehrere Planeten oder gleich auf ganze Galaxien verteilt sind, wo diverse Rassen freundlich miteinander kommunizieren oder sich wüste Schlachten liefern, redet man von "Space Operas". Dieser Ausdruck bezieht sich auf die aus dem Fernsehen bekannten „Soap Operas“ und spielt damit auf die vielen verschiedenen Charaktere und familiären Verwicklungen an, die einen wichtigen Bestandteil dieser utopischen Geschichten bilden. Eine Space Opera besteht häufig aus mehreren Filmen (bzw.   Episoden), weil es die komplizierten Verbindungen der Völker und Rassen nicht gestatten, die komplette Geschichte in einem einzigen Streifen unterzubringen. Selbst hervorragende Filmemacher wie David Lynch sind mit auf Spielfilmlänge gestrafften Space Operas wie Dune – Der Wüstenplanet auf die Nase gefallen. Flash Gordon und Perry Rhodan dürften die populärsten Vertreter ihrer Gattung in der Literatur sein, auf der Leinwand dominieren Star Trek und Star Wars das Genre.
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© Christian Lorenz
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