Metagenres & Co.
  Als Animes bezeichnet man (zumeist japanische) Serials oder auch komplette Filme im Zeichentrickstil, die auf den populären Mangas (Comics) basieren. Das Angebot reicht hier von harmloser Kinderunterhaltung wie Sailor Moon bis hin zu härterer Kost, die ausschliesslich für ein erwachsenes Zielpublikum bestimmt ist. Dazu zählen gewalttätige Cyberpunk-Utopien wie Akira ebenso wie epische Fantasystoffe in der Art von Record of Lodoss War. Bei den   Hentais kommt zusätzlich noch das Element Sex dazu. Berüchtigt sind hier vor allem Sex-Splatter-Produktionen wie Urotsukidoji und Angel of Darkness, in dem junge Mädchen von Tentakelmonstern vergewaltigt werden. Nicht ganz ohne Grund hat man das Wort "Hentai" als Sammelbegriff für solche Streifen auserkoren - immerhin bedeutet das Wort übersetzt "pervers". Mit den Cartoons aus der Disney-Fabrik haben Animes definitiv kaum noch etwas gemeinsam.  
 
Als B-Movies betitelt man Filme, die mit geringerem Budget und weniger Aufwand gedreht werden wie die grossen Hollywood-Filme. Typische Merkmale für solche Streifen sind billige Studiokulissen,
  die gleich für mehrere Filme recycelt werden; schräge Drehbücher, die jeder Logik entbehren; und hölzern agierende Darsteller, die so manche Schwäche des Skripts mit ihrer "Schauspielkunst" zu kaschieren versuchen. Das alles macht die oft auch als Trash ("Müll") abgestempelten Filme aber nicht weniger sehenswert - im Gegenteil: gerade aus diesen Gründen entwickeln viele dieser Streifen einen eigenen Charme, der sie von den tricktechnisch perfekten, aber dafür herzlosen Hollywoodschinken abhebt. Roger Corman gilt als "König der B-Movies", denn er hat eine stattliche Anzahl an mehr oder weniger schlechten Filmen inszeniert und produziert, von denen einige heute den Status eines Klassikers erreicht haben. Zudem dienten seine Streifen   einigen heute sehr populären Stars als Sprungbrett, zum Beispiel Francis Ford Coppola (Dementia 13), David Cronenberg (Rabid), James Cameron (Battle Beyond The Stars) oder Joe Dante (Piranha). Als Synonym für besonders lausige Produktionen, die ganz bewusst auf Trash getrimmt worden sind, benutzt man den Begriff Schlock. Diese Bezeichnung stammt von dem gleichnamigen Streifen Schlock, das Bananenmonster, in dem der spätere Oscarpreisträger Rick Baker ein erstes Mal seine Fingerfertigkeit bei der Maskenkunst unter Beweis stellen konnte. Weitere Schlock Movies sind Angriff der Killertomaten, I was a Teenage Werewolf und auch The Incredibly Strange Creatures Who Stopped Living and Became Mixed-Up Zombies (der Titel sagt wohl alles...).
  Nach den Schrecken des Zweiten Weltkrieges eroberten zahlreiche Filme die Leinwand, die sich durch eine pessimistische Stimmung von den glamourösen Hollywood - Streifen der vorigen Jahre deutlich abhoben. Bestandteile des Kriminalfilmes und des Melodramas wurden vermischt, heldenhafte Charaktere durch desillusionierte Einzelgänger ersetzt und die Grenze zwischen Gut und Böse verschwamm zusehends. Französische Kritiker prägten schliesslich den Begriff Film noir, um die düstere und zynische   Atmosphäre dieser Filme zu beschreiben ("noir" = "schwarz"). Ein typisches Element dieser Filmgattung sind verregnete, nächtliche Strassenzüge irgendeiner Grossstadt, die zudem nur spärlich durch Neonreklamen oder flackernde Strassenlaternen ausgeleuchtet werden. Den Film noir trifft man in allen Genres an: bevorzugt in Detektivgeschichten, aber auch in Psychothrillern (Im Schatten des Zweifels) und sogar in der Science Fiction (Blade Runner).
 
    In Verbindung mit dem Begriff Kultfilm werden oft Klassiker angesprochen, die weltweit von einem gigantischen Fandom getragen werden. Was so nicht ganz korrekt ist, denn eigentlich stammt die Bezeichnung aus den 60er Jahren und zeichnete Filme aus, die neue Wege einschlugen und weniger grosse Zuschauerscharen in die Lichtspielhäuser lockten, sondern mehr als Geheimtip gehandhabt wurden. Viele Kultfilme waren sogar anfangs absolute Ladenhüter und erreichten erst viele Jahre nach dem Erscheinen diesen Status. Der Grund für diesen "schleichenden Erfolg" liegt wohl darin, dass Filme dieser   Kategorie zunächst kontrovers aufgenommen, von schlechten Kritiken vernichtet und erst nach Jahren unter völlig anderen Gesichtspunkten wiederentdeckt wurden. Kultfilme können Tabus brechen (Uhrwerk Orange), ganze Genres begründen (Texas Chainsaw Massacre) oder für bestimmte Generationen eine besondere Bedeutung haben (Easy Rider). Sehr oft handelt es sich sogar um Low-Budget-Werke, die ohne Hoffnung auf einen grossen kommerziellen Erfolg produziert wurden (Blood Simple, The Evil Dead). Eine genaue Definition dieser Filmgattung scheint unmöglich...
  Mondo Movies nehmen eine Sonderstellung ein, denn Filme dieser Art erzählen keine Geschichten, sondern reihen lediglich mehr oder weniger schockierende Filmschnipsel unter dem Deckmantel einer Dokumentation aneinander. Erstmals tauchte 1962 ein solcher Streifen auf, der dem Genre im Nachhinein auch den Namen gab: Mondo Cane, ein buntes Sammelsurium an Geschmachlosigkeiten. Der Film zeigte skurille religiöse Bräuche, diverse Aufnahmen zum Thema "Fressen und Gefressen werden" in der Tierwelt sowie Dokumentarschnipsel von haarsträubenden Ritualen   afrikanischer Naturvölker, denen man einen rassistischen Unterton nicht absprechen kann. Die bekanntesten Mondos stellen hierzulande die diversen Gesichter des Todes-Filme dar, die in menschenverachtender Weise über Unglücksfälle, Morde und Hinrichtungen berichten. Man sollte allerdings nicht alle Filmschnipsel für bare Münze nehmen, denn ein guter Teil des als "echt" angepriesenen Materials ist unverkennbar gestellt und das Werk von Tricktechnikern, Trotzdem brachten solche Beiträge diesem Genre den Beinamen Shockumentary ein ("Shock Documentary").  
    In Verbindung mit einigen Exemplaren der italienischen Kannibalenfilme taucht der Begriff Tiersnuff sehr häufig auf, wenn Tiere nur zum Zweck des Ekelerregens beim Zuschauer detailliert in ihre Einzelteile zerlegt werden. Spricht man jedoch über Snuff Movies, dann geht es hier nicht um Tiere, sondern um menschliche Opfer. Die Existenz solcher Filme ist umstritten, aber wenn man bedenkt, zu welchen Schandtaten geldgierige Übeltäter heutzutage fähig sind, wären Zweifel daran ziemlich naiv. Die Bezeichnung "Snuff" rührt von einem Film her, der 1976 in New York seine Erstaufführung hatte. Ein unbedeutender argentinischer Film mit dem Titel Slaughter, dessen Story sich an die   Ermordung der Schauspielerin Sharon Tate durch die Manson-Sekte anlehnte, wurde von dem Filmverleiher Alan Shackleton günstig aufgekauft, mit einem bluttriefenden Finale versehen und unter dem Titel Snuff mit dem reisserischen Werbespruch "The film that could only made in South America... where life is cheap!" auf den hungrigen Markt geworfen. Da die neu eingefügten Szenen die realistische Ermordung einer Schwangeren darstellen sollten (was natürlich erlogen war), prägte sich der Begriff Snuff als Sammelbegriff für solche Schundfilme ein. Weitere Filme, die unberechtigt mit diesem "Genre" in Bezug gebracht werden, sind Men behind the Sun und einige Teile der Guinea Pig-Serie.
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© Christian Lorenz
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