Eines Morgen wacht Zac Hobson in seinem Bett auf und muß feststellen, daß er der einzige Mensch auf der Welt zu sein scheint. Es herrscht Totenstille in den Strassen seiner Heimatstadt Auckland: kein Auto bewegt sich, die Radiostationen schweigen, noch nicht einmal das Zwitschern eines Vogels durchbricht diese nervtötende Stille. Doch so schlimm seine Situation auch zu sein scheint, sieht er endlich eine Möglichkeit, sich alle seine Wünsche zu erfüllen: er plündert die Konsumtempel der entvölkerten Stadt, rast mit flotten Sportwagen weit jenseits des Tempolimits durch die City und geht in bester Rambo-Manier auf Zerstörungstrip, ohne sich um irgendwelche Gesetze kümmern zu müssen. Ihm gehört die Stadt... oder vielleicht sogar die Welt?

Nur langsam erkennt er die Hoffnungslosigkeit seiner Lage und sein anfänglicher Enthusiasmus schlägt um in Depressionen und Angst. Auf der Suche nach dem Ursprung des apokalyptischen Zustandes besinnt er sich wieder auf ein militärisches Experiment, an dem er selbst beteiligt war und in dem es um das Errichten eines globalen Schutzschildes ging. Offensichtlich ist der Versuch gescheitert und hat stattdessen das Raum-Zeit-Kontinuum des Universums destabilisiert - und schlimmer noch: der Effekt, der das Verschwinden allen Lebens ausgelöst hat, wird sich wiederholen!

Einige Wochen nach dem verhängnisvollen Unglück geschieht dann etwas, womit er niemals mehr gerechnet hätte: er trifft Joanne, eine weitere Überlebende des Experiments und wenig später den Maori Api, aus dem die beiden zunächst nicht schlau werden. Es kommt, wie es kommen muss: der Streit der Männer um die Frau beginnt...

Seit dem Beginn des atomaren Zeitalters in den 50er Jahren kämpft man nicht nur mit den Folgen radioaktiver Strahlung, sondern auch mit überwiegend billigen Actionfilmchen, deren Handlung in einer postnuklearen Zukunft spielt. Glücklicherweise befinden sich in dem reichhaltigen Angebot hin und wieder auch echte Perlen, wie es bei Geoffrey Murphy´s The Quiet Earth der Fall ist. In Neuseeland, fernab der Filmmetropole Hollywood, adaptierte er den gleichnamigen Roman von Craig Harrison zu einem spannenden Endzeitszenario. Murphy verzichtet fast vollständig auf grosse Spezialeffekte und konzentriert sich stattdessen auf die drei Charaktere der Story, ganz besonders natürlich auf Bruno Lawrence, welcher die erste Hälfte des Filmes quasi im Alleingang bewältigt. Fasziniert wird man Zeuge, wie sein Charakter dem Phänomen zunächst ratlos gegenübersteht, später eine Phase von Depressionen bis hin zu Selbstmordgedanken durchmacht, fast dem Wahnsinn erliegt und schließlich wieder neue Hoffnung schöpft, als er die nette Joanna kennenlernt.

In der zweiten Hälfte des Filmes verliert der Film etwas von seiner Kraft, denn der Regisseur verläuft sich hier in unglaubwürdigen Erklärungsversuchen, wie es zu jener Katastrophe kommen konnte. Auch die Dreiecksgeschichte zwischen den beiden Männern und der Frau weiss nicht annähernd so zu fesseln wie Zac´s packender Soloauftritt im ersten Teil der Produktion. Trotzdem bleibt The Quiet Earth eine gelungene Alternative für andere eher actionlastige Endzeitfilme wie Cherry 2000 oder die Mad Max-Trilogie. 1987 wurde der Film mit dem Publikums- und dem Jurypreis auf dem 13. Festival des Phantastischen Films in München ausgezeichnet, was wohl nicht zuletzt auch dem nachdenklich stimmenden Ende zu verdanken ist, welches viel Spielraum für eigene Interpretationen zulässt.

 
Quiet Earth -
Das letzte Experiment
The Quiet Earth
 
 
 
Neuseeland, 1985
91 Minuten, Farbe
 
 
Regie
Geoffrey Murphy
Drehbuch
Bill Baer
 
Bruno Lawrence
 
Sam Pillsbury
Kamera
James Bartle
Musik
John Charles
Schnitt
Michael Horton
Effekte
Ken Durey
Produktion
Sam Pillsbury
Ausf. Prod.
Don Reynolds
 
 
Bruno Lawrence
Zac Hobson
Alison Routledge
Joanne
Peter Smith
Api
Norman Fletcher
Perrin
Tom Hyde
Wissenschaftler
   
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© Christian Lorenz
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