Dr. Susan Wheeler ist Ärztin im Boston Memorial Hospital, in dem seit geraumer Zeit Patienten nach harmlosen Eingriffen ins Koma fallen und nicht wieder aufwachen. Zunächst denkt sie sich nichts dabei - schließlich ist die Klinik eine der größten der Stadt und dementsprechend höher liegt das Risiko unerwarteter Zwischenfälle. Doch als ihre Freundin Nancy Greenly in das Krankenhaus eingeliefert wird und ihr das gleiche Schicksal widerfährt, stellt sie heimlich Nachforschungen an und entdeckt verwundert, dass ihrer Freundin kurz vor dem "medizinischen Unfall" Gewebeproben entnommen wurden, welche eigentlich nichts mit ihrem Krankheitsbild zu tun hatten. Ihr Freund Mark Bellows, der ebenso in dem Krankenhaus praktiziert, will von der seltsamen Geschichte nichts wissen: er fürchtet um seine noch in den Kinderschuhen steckende Karriere als Mediziner. Der Chefarzt des Hospitals Dr. Harris weist die Verdächtigungen ebenfalls zurück. Kurze Zeit später fällt der nächste Patient ins Koma - nun endlich wird auch Mark mißtrauisch. Ihre Suche nach einer Erklärung führt die beiden ins Jefferson-Institut, ein privates Klinikum, welches abseits der Stadt liegt. Hier machen sie eine schaurige Entdeckung: in einer riesigen Halle hängen die Patienten, von Schläuchen künstlich am Leben gehalten, bewußtlos von der Decke. Sie dienen einer skrupellosen Organmafia als "lebendes Ersatzteillager" und warten nur darauf, daß reiche Leute ihre Innereien benötigen...

Die Grundvoraussetzungen für einen gelungenen Organhandel-Thriller könnten nicht besser sein: der Film Coma basiert auf einem Roman von Robin Cook, der vor seiner steilen Karriere als Schriftsteller selbst als praktizierender Augenchirurg tätig war und somit auf ein fundiertes medizinisches Wissen zurückgreifen konnte. Seit dem Erscheinen seines ersten Werkes Year of the Intern (1972) veröffentlichte er bis heute rund zwei Dutzend Romane, in denen es sich in erster Linie um korrupte Ärzte und den Missbrauch der Genforschung dreht. Mit seinem zweiten Werk Coma, welches Cook in nur sechs Wochen niederschrieb, gelang ihm dann der Durchbruch. Bereits vor der Verfilmung stand das Buch fünfzehn Wochen in den amerikanischen Bestsellerlisten. Dass sich ausgerechnet Michael Crichton den Stoff vorknöpfte, mag eine glückliche Fügung gewesen sein, denn auch er ist ausgebildeter Mediziner und somit nicht ganz unbelastet. Vor allem in der ersten Hälfte von Coma merkt man das besonders stark, denn die kühle Atmosphäre eines Hospitals wird perfekt eingefangen. Um das Geschehen möglichst realistisch wirken zu lassen, drehte er einen Grossteil der Szenen in dem massstabsgetreuen Studionachbau einer Klinik und setzte mitunter sogar echte Ärzte und Schwestern als Statisten ein. Das Behandeln der Patienten wird gefühlskalt als unpersönliche Massenabfertigung dargestellt und es bleiben auch keine zynischen Kommentare aus, wenn beispielsweise der Leichnam eines Patienten als "Klumpen Fleisch" bezeichnet wird. Das alles dient dazu, dem Zuschauer zunächst den eher langweilig scheinenden Alltag einer Ärztin vor Augen zu halten, um dann geschickt und langsam ein dunkles Geheimnis ans Tageslicht zu holen.

Die Spannung bezieht Coma aus der Situation, dass die Hauptperson der Geschichte Kenntnisse von einem makabren Geheimnis erlangt und ihr niemand - noch nicht einmal Freunde und Familie - Glauben schenken will. Schon Hitchcock konstruierte um dieses Thema einige seiner besten Filme, zu denen gewiss Das Fenster zum Hof gehört, in dem es um einen an den Rollstuhl gefesselten Mann geht, der im Nachbarhaus einen Mord beobachtet, dessen Hinweise darauf aber völlig ignoriert werden. In Coma trifft es Geneviéwe Bujold, die zum hilflosen Spielball einer perfekt nach aussen hin abgesicherten Organisation wird.

Als der Thriller 1977 in die Lichtspielhäuser kam, startete man eine Werbekampagne, die teilweise recht skurrile Formen annahm. Crichton und Cook reisten quer durch die Staaten, Screenings für die Käufer des Romans wurden organisiert und in New York wurden die Bücher zum Film sogar mit Ambulanzwagen zu den Geschäften gebracht! Bedenkt man, dass der komplette Film mit einem Etat von 4,3 Millionen Dollar produziert wurde, scheinen die Werbekosten für Buch und Film enorm hoch, die mit drei Millionen Dollar noch einmal zu Buche schlagen.

Gerade weil Crichton´s selbst nach über zwanzig Jahren noch immer hochaktueller Thriller weitestgehend auf den Einsatz von Blut und grosse Actionszenen verzichtet, hebt Coma von den anderen Produktionen dieses kleinen Subgenres (Rainer Erler´s Fleisch, Larry Cohen´s Ambulance) hervor. Diesen Film sollte sich man wirklich nicht zumuten, wenn in den nächsten Wochen ein Krankenhausaufenthalt geplant ist...

 
Coma
Coma
 
 
 
USA, 1977
110 Minuten, Farbe
 
 
Regie
Michael Crichton
Drehbuch
Michael Crichton
Kamera
Victor J. Kemper
Musik
Jerry Goldsmith
Schnitt
David Bretherton
Effekte
Joe Day
 
Ernie Smith
Produktion
Martin Erlichman
 
 
Geneviéwe Bujold
Dr. Susan Wheeler
Michael Douglas
Dr. Mark Bellows
Elizabeth Ashley
Mrs. Emerson
Rip Thorn
Dr. George
Richard Widmark
Dr. Harris
Lois Chiles
Nancy Greenly
Harry Rhodes
Dr. Morelind
Gary Barton
Computerfachmann
Tom Selleck
Patient
Ed Harris
Pathologe
Frank Downing
Kelly
Richard Doyle
Jim
Alan Haufrect
Dr. Marcus
Lance Le Gault
Vince
Charles Siebert
Dr. Goodman
William Wintersole
Labortechniker
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Diane
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