London, 1893. Der Schriftsteller und Vordenker Herbert George Wells veranstaltet ein gemütliches Treffen mit seinen Freunden, um sich von ihnen für eine längere Zeit zu verabschieden. Doch das Ziel seiner geplanten Reise ist keineswegs ein fernes Land, sondern... die Zukunft! Mit einer selbstentwickelten Zeitmaschine will er in einige Jahrzehnte überwinden, um "Utopia" zu erkunden, in dem es seiner Vorstellung nach keine Kriege, Krisen und Krankheiten mehr geben wird. Der unter den Gästen anwesende und hoch angesehene Dr. John Stevenson lauscht gebannt den Träumereien Wells´... und schmiedet bereits Pläne, sich das Vehikel für eigene Zwecke unter den Nagel zu reissen. Als kurze Zeit später die Polizei vor der Tür steht und Stevenson als den ebenso berühmten wie auch berüchtigten Prostituiertenmörder "Jack the Ripper" enttarnt, nutzt dieser die Gelegenheit und flieht in die Zukunft!

Durch einen eingebauten Rückkehrmechanismus begibt sich die Maschine wieder zum Ausgangspunkt zurück - freilich ohne den Passagier. Kurzum entschliesst sich Wells, dem Serienkiller zu folgen und landet im San Francisco des Jahres 1979. Erstaunt über die ihm völlig fremdartige Welt begibt er sich auf die Suche nach Stevenson und findet Unterstützung durch die Bankangestellte Amy Robbins, die dem etwas hilflos wirkenden Zeitreisenden unter die Arme greift. Mit ihrer Hilfe kann er seinen "Zeitgenossen" endlich stellen, doch dieser hat sich den Gegebenheiten der Zukunft schon besser angepasst und kann abermals entkommen. Um Wells an weiteren Ermittlungen zu hindern, bringt er nach einigen Morden Amy in seine Gewalt und erpresst mit ihrem Leben einen Schlüssel, mit dem er den Rückkehrmechanismus der Zeitmaschine ausser Kraft setzen kann. Doch sein verbrecherisches Vorhaben scheitert: als er den Apparat startet, um sich nun endgültig und unerreichbar abzusetzen, befördert ihn die Maschine durch eine winzige Manipulation des Erfinders ins Nirvana.

Nicholas Meyer (Star Trek 2 - Der Zorn des Khan) verknüpft in seinem vier Millionen Dollar teuren Regiedebüt geschickt die Elemente des Thrillers, der Science Fiction und der Komödie und lässt zwei klassische Themen des Phantastischen Films aufeinanderstossen: den legendären Jack the Ripper und die Zeitmaschine! Besonders amüsant ist die Idee, dass ausgerechnet H.G. Wells, Autor des Romans Die Zeitmaschine, in die Rolle des Verbrecherjägers schlüpft. Flucht in die Zukunft weist eine ganze Reihe von Parallelen zum echten Wells auf, der von 1866 bis 1946 lebte. Wells´ zweite Ehefrau hiess tatsächlich Amy Robbins und so darf sich ihr filmisches Pendant natürlich in den zeitreisenden Wissenschaftler verlieben und schliesslich nach einigen Abenteuern in die Vergangenheit begleiten. Da ist es nur konsequent, dass Malcolm McDowell (H.G. Wells) nach den Dreharbeiten eine kurze Ehe mit Mary Steenburgen (Amy Robbins) schloss. Der für seine zwielichtigen Charaktere bekannte McDowell (Uhrwerk Orange) meistert in Flucht in die Zukunft seinen vielleicht besten Auftritt - ihm gelingt es hervorragend, mehrere Rollen in einer Person zu verkörpern. Er spielt zugleich Forscher und Abenteurer, das Genie seiner Zeit und einen liebenswerten Tolpatsch in der Zukunft. Sein Gegenspieler wird verkörpert von David Warner (Das Omen), dem die Rolle des Rippers auf den Leib geschrieben zu sein scheint.

Einziger Wermutstropfen des Filmes sind die bescheidenen Spezialeffekte. Während der fast zwanzig Jahre ältere Klassiker Die Zeitmaschine von George Pal mit spektakulären Zeitrafferaufnahmen aufwarten konnte, muss sich das Publikum bei Flucht in die Zukunft mit plump wirkenden Lichtspielen zufriedengeben, welche die Reise durch die Dimensionen andeuten. Letztlich tut dieser kleine Makel dem Vergnügen keinen Abbruch, denn das Abenteuer ist vollgestopft mit herrlichen Szenen und Situationskomik - etwa wenn sich der recht altmodische Wells mit der Technik und Hektik des späten 20. Jahrhunderts konfrontiert sieht und neben Automobilen und Telefonen unter anderem auch die Tücken der Emanzipation entdeckt!

Dass Wells dem Ripper jemals im wirklichen Leben begegnete, dürfte zweifellos mehr als fragwürdig sein - doch rein theoretisch wäre es möglich gewesen. Beide lebten etwa zur selben Zeit in London, wo Wells 1895 seinen berühmten Roman veröffentlichte. 1888 war das Jahr von Jack the Ripper, dessen wahre Identität niemals entdeckt wurde.

 
Flucht in die Zukunft
Time After Time
 
 
 
USA, 1979
107 Minuten, Farbe
 
 
Regie
Nicholas Meyer
Drehbuch
Nicholas Meyer
Kamera
Paul Lohmann
Musik
Miklos Rozsa
Schnitt
Donn Cambern
Effekte
Larry Fuentes
 
Jim Blount
Produktion
Herb Jaffe
 
 
Malcolm McDowell
H.G. Wells
Mary Steenburgen
Amy Robbins
David Warner
John Stevenson
Charles Cioffi
Lt. Mitchell
Kent Williams
Assistent
Patti D´Arbanville
Shirley
James Garrett
Edwards
   
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© Christian Lorenz
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