Als die böse Hexe Bavmorda von einer Prophezeiung erfährt, dass ein junges Mädchen geboren werden soll, welches ihre brutale Gewaltherrschaft eines Tages beenden könnte, lässt sie kurzerhand alle schwangeren Frauen ihres Landes in dunkle Verliese sperren und die Neugeborenen umbringen. Doch einer mutigen Hebamme gelingt es unter dem Einsatz des eigenen Lebens, ein kleines Mädchen aus der Burg Bavmordas zu schmuggeln und zu einem Fluss zu bringen. Hier setzt sie das Baby in ein vorbeischwimmendes Nest und überlässt es der Strömung... während sie selbst von den Häschern der Hexe getötet wird. Nach einiger Zeit wird das wertvolle Treibgut endlich an Land gespült. Willow Ufgood, ein Farmer, der zur Rasse der kleinwüchsigen Nelwyns gehört, findet das hilflose Mädchen und zeigt seine aussergewöhnliche Entdeckung dem Gemeinderat seines Dorfes, um von diesem das weitere Schicksal des Kindes zu bestimmen zu lassen. Die Dorfältesten beschliessen, dass Willow seinen Fund ins Land der Daikinis, der Menschen, bringen soll, um das Kind in die Obhut einer Person zu übergeben, die sich um das Wohlergehen der Kleinen kümmern soll. Doch Bavmorda´s Schergen unter der Führung von Sorsha, der Tochter der Hexe, haben bereits die Verfolgung aufgenommen...

Den einzig sichere Ort für das Mädchen scheint das weit entfernte Schloss von Tir Asleen zu bieten. Auf der beschwerlichen Reise trifft er neue Freunde, die ihm tatkräftig unter die Arme greifen: da ist der prahlerische, aber herzensgute Draufgänger Madmartigan, die weise Zauberin Fin Raziel, die von Bavmorda in ein Tier verwandelt worden ist sowie zwei vorlaute Däumlinge, die ihre fehlende Körpergrösse mit einer grossen Klappe mehr als wettmachen. Aber auf dem Weg lauern unzählige Gefahren... Zauberer, Fallen und feuerspeiende Drachen sind nur einige davon. Zu allem Überfluss verliebt sich Madmartigan Hals über Kopf ausgerechnet in Sorsha, was zu zahlreichen Verwicklungen führt.

Märchen und Fantasiewelten liegen George Lucas offensichtlich besonders am Herzen. Auch wenn seine Star Wars-Filme der Science Fiction zuzuordnen sind, findet man in ihnen unzählige Märchenelemente wieder - da gibt es Zauberer, Prinzessinnen, Zwerge und... Ewoks! Für Willow plünderte Produzent und Ideenlieferant Lucas ebenfalls wieder den gesamten Fundus an phantastischen Stoffen, angefangen bei Tolkien´s Mammutwerk Der Herr der Ringe bis hin zur Bibelgeschichte. So verschwimmen die Grenzen zwischen Abenteuerfilm, Liebesgeschichte und Action immer mehr, und nur dank der hochkarätigen Besetzung ist es zu verdanken, dass Willow nicht zu einem hirnlosen Effektspektakel verkommt. Der kleine Titelheld, der im Lauf der Story über sich hinaus wächst, wird von Warwick Davis verkörpert, der bereits im Alter von nur elf Jahren als knuddeliger Ewok in Die Rückkehr der Jedi-Ritter zum Publikumsliebling wurde. In dieser Verkleidung trat er auch in den beiden Star Wars-Ablegern Karawane der Tapferen und Kampf um Endor auf. In Willow ist er erstmals ohne Maske zu sehen, und auch so gelingt es ihm mühelos, seinen Part fesselnd und glaubwürdig darzustellen. Seine Nelwyn-Freunde werden von anderen kleinwüchsigen Darstellern verkörpert, die man in ganz Europa suchte. Ihm zur Seite steht Val Kilmer (Batman Forever) als tolpatschiger Schwertschwinger, der hier den bemerkenswertesten "phantastischen" Auftritt seiner Karriere absolviert. Seine Filmpartnerin Joanne Scarlett Whalley, die während des Filmes die Seiten wechselt, heiratete Kilmer noch im selben Jahr.

Für das Trickstudio "Industrial Light & Magic" bedeutete Willow eine kaum zu bewältigende Anzahl an Effekten - mehr als vierhundert an der Zahl! Weil zum Zeitpunkt der Produktion auch der Animations-/Realfilm Falsches Spiel mit Roger Rabbit auf dem Plan stand, stieg die jährliche Durchschnittsleistung an Effektaufnahmen von 350 auf 1500 - mit den Konsequenzen, dass auf Lucas´ "Skywalker Ranch" auch nachts die Lichter nicht ausgingen. Trotz des enormen Zeitdrucks gibt es in dem dreissig Millionen Dollar teuren Spektakel die ersten Morphing-Effekte zu sehen, die einige Jahre später in Terminator 2 endlich vollends ausgereift waren. 1988 stellten diese Tricks Dennis Muren und seine Crew von IL&M vor grosse Probleme: zunächst wollte man komplett digital erstellte Figuren entwerfen und diese anschliessend langsam eine andere Gestalt annehmen lassen, doch die Hardware erwies sich als nicht leistungsfähig genug für eine perfekte Illusion. Aus diesem Grund verwendete man Puppen oder Fotografien als "Zwischenstadien" der Morphing-Sequenzen. Aus heutiger Sicht wirken die Effekte im Finale, das eine nicht zu verleugnende Ähnlichkeit zum Corman-Evergreen Der Rabe aufweist, freilich überholt, da mittlerweile jeder zweitklassige Horrorfilm bessere Tricks bieten kann. Das zweiköpfige Drachenmonster ist eine Kreation von Phil Tippett, der das Ungeheuer per "Go Motion" zum Leben erweckte. Eigentlich sollte diese feuerspeiende Kreatur den Namen "Siskbert" bekommen, in Anlehnung an die beiden Filmkritiker Gene Siskel und Roger Ebert, die Jahre zuvor Lucas´ Sternensaga ziemlich miserabel bewerteten. Im Endschnitt taucht der Name jedoch nicht mehr auf, aber dafür gibt es in Willow immerhin einen Bösewicht namens Kael... natürlich eine besondere "Ehrung" der New Yorker Filmkritikerin Pauline Kael, die ebenfalls an Star Wars kein gutes Haar liess.

Insgesamt haben Lucas und Regisseur Ron Howard (Cocoon) hervorragende Arbeit geleistet und einen tollen Fantasyfilm geschaffen, den man ruhigen Gewissens als den Herr der Ringe der 80er Jahre bezeichnen kann. Der Film hat tolle Charaktere, spannende Momente und viele humorvolle Einlagen. Über einige wenige heute altmodisch wirkende Effekte sollte man hinwegsehen oder sie mit nostalgischen Gefühlen betrachten... und man wird an Willow seine Freude haben. Mittlerweile sind auch schon Fortsetzungen der Story in Romanform erschienen, an denen auch George Lucas beteiligt war und die von Prinzessin Elora Danan (im Film das Baby) und den "Schattenkriegen" handeln. Ob eines der Bücher Schattenmond, Schattendämmerung oder Schattensonne jemals als Willow 2 verfilmt wird, steht allerdings noch in den Sternen.

 
Willow
Willow
 
 
 
USA, 1988
125 Minuten, Farbe
 
 
Regie
Ron Howard
Drehbuch
Bob Dolman
Kamera
Adrian Biddle
Musik
James Horner
Schnitt
Daniel Hanley
 
Michael Hill
Effekte
Industrial Light & Magic
 
(Optische Effekte)
 
Phil Tippett
 
(Go-Motion)
Produktion
Nigel Wooll
Ausf. Prod.
George Lucas
 
 
Val Kilmer
Madmartigan
Joanne Whalley-Kilmer
Sorsha
Warwick Davis
Willow Ufgood
Jean Marsh
Bavmorda
Patricia Hayes
Fin Raziel
Pat Roach
General Kael
Gavan O´Herlihy
Airk
David Steinberg
Meegosh
Phil Fondacaro
Yohnkar
Rick Overton
Franjean
Kevin Pollak
Rool
   
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