Der Schriftsteller Ben Mears kehrt nach vielen Jahren in seine Heimatstadt Jerusalem´s Lot zurück, um sich hier in aller Ruhe der Fertigstellung eines neuen Romanes zu widmen. Etwa zur gleichen Zeit taucht auf Richard Throckett Straker auf, der ein Antiquitätengeschäft in der Stadt eröffnet. Als dieser ausgerechnet das verrufene Marsten-Haus zum Domizil erkoren hat, wird in Mears erstmals Misstrauen gegen den eigentlich sehr freundlichen und zuvorkommenden Mann geweckt - immerhin hat das modrige Gebäude den Ruf eines Spukhauses, seitdem dessen früherer Eigentümer an einem Strick baumelnd aufgefunden wurde.

Schon bald geschehen merkwürdige Dinge in Jerusalem´s Lot: mehrere Kinder verschwinden spurlos, einige Bürger werden von einer unheimlichen Epidemie dahingerafft, zwei Totengräber haben ein haarsträubendes Erlebnis beim Transport einer grossen Holzkiste, die sie am Marsten-Haus abliefern sollen... Die ersten Gerüchte machen die Runde, doch die wahren Ausmasse des Schreckens erahnt niemand: Straker hat klammheimlich eine mächtige Kreatur in die Stadt eingeschleppt, die bereits seit Jahrhunderten auf der Jagd nach Menschenblut ist - einen Vampir namens Barlow! Wie bei einer ansteckenden Krankheit beginnt sich das Grauen langsam auszubreiten und immer mehr Bürger werden zu Blutsaugern. Ben Mears und einer kleinen Gruppe mutiger Personen - darunter einem videovernarrten Teenager mit guten Kenntnissen der Vampirbekämpfung - gelingt es schliesslich, in das düstere Anwesen Straker´s einzudringen und Barlow einen hölzernen Pflock durch die Pumpe zu rammen. Der Blutsauger stirbt - doch seine vampirisierten Jünger kriechen nun aus ihren Löchern, um auch dem Rest der Bevölkerung den Lebenssaft abzuzapfen. Kurzentschlossen legen die selbsternannten Vampirjäger Feuer in der Stadt: Brennen muss Salem!

Durch die vielen positiven Kritiken auf seinen ersten veröffentlichten Roman Carrie entschloss sich Stephen King, die Geschichte Salem´s Lot fertigzustellen, die seit geraumer Zeit unter dem Arbeitstitel The Second Coming in den Tiefen einer Schublade vor sich hinstaubte. 1975 stand das Werk endlich in den Regalen der Buchläden, doch erst nach dem grandiosen Erfolg der Carrie-Verfilmung von Brian De Palma zeigten die Filmstudios auch Interesse an King´s zweitem Roman. Während sich die Vertreter vom Sender CBS noch die Köpfe darüber zerbrachen, ob eine Verfilmung im Fernsehformat realisierbar sei, schnappten sich Warner Brothers die Rechte, um Salem´s Lot für die grosse Leinwand zu adaptieren. Mehrere namhafte Regisseure wurden in den folgenden Monaten mit dem Projekt in Verbindung gebracht, darunter Larry Cohen (American Monster) und William Friedkin (Der Exorzist). Als 1979 dann eine ganze Flut an US-Vampirfilmen die Lichtspielhäuser eroberte (John Badham´s Dracula, E.W. Swackhamer´s Der Grossstadtvampir, Stan Dragoti´s Liebe auf den ersten Biss sowie Harry Tampa´s Nocturna), veränderte man das Konzept zugunsten einer TV-Miniserie. George A. Romero wurde kontaktiert, aber der sah sich durch die strengen Fernseh-Richtlinien zu sehr eingeengt und widmete sich lieber dem Horrorfilm Martin, der ebenfalls von einem Blutsauger handelt. Nun endlich besann sich Produzent Richard Kobritz auf Tobe Hooper (Texas Chainsaw Massacre), in dem er ein unentdecktes Talent schlummern sah. Kobritz zeigte sich sehr angetan vom visuellen Stil Hoopers, dem es gelang, allein durch ungewöhnliche Kameraarbeit eine bedrohliche Atmosphäre aufzubauen. Mit einem Etat von rund vier Millionen Dollar - zu diesem Zeitpunkt sehr viel für eine Miniserie - wurde Salem´s Lot schliesslich in Angriff genommen.

Obwohl die eigentlich "klassische" Vampirstory völlig untypisch für Stephen King ist, bleibt er sich doch seinen Prinzipien treu: Schauplatz des Schreckens bildet kein dunkles Schloss in Transsylvanien, sondern eine typische amerikanische Kleinstadt. Das Grauen wird umso greifbarer, weil sich die unheimlichen Geschehnisse quasi im Nachbarhaus ereignen. Als geeigneter Drehort für Salem´s Lot diente die kalifornische Stadt Ferndale, das bis auf ein altes gotisches Gebäude als Kulisse des "Marsten-Hauses" alles bot. So war die Filmcrew lediglich gezwungen, eine künstliche Fassade um ein existierendes Haus herumzubauen, die immerhin 80.000 Dollar verschlang. Die Aufnahmen im Inneren des "Marsten-Hauses", das mehr einem Grab als einer Wohnung ähnelt, entstanden in einem Studionachbau, der mit weiteren 70.000 Dollar zu Buche schlug.

Wie man es mittlerweile von King-Miniserien wie Es oder Tommyknockers ja gewöhnt ist, braucht die Story einige Zeit, um langsam in Fahrt zu kommen. Hin und wieder gerät der Fluss der Geschichte ins Stocken, doch Hooper kann durch eingestreute Schockmomente immer wieder im letzten Moment die Kurve kratzen, so dass der Film über die komplette Laufzeit von drei Stunden unterhalten kann. Unter den Darstellern sticht besonders James Mason hervor, der hier den teuflischen Straker verkörpert. Auf der einen Seite ist er der freundliche und hilfsbereite ältere Herr von nebenan - auf der anderen Seite der gewissenlose Frischfleischlieferant des Vampirs. Barlow selbst ist dagegen eine grosse Enttäuschung: während die Figur in King´s Romanvorlage eher ein gepflegter und zivilisierter Blutsauger vom Kaliber eines Christopher Lee ist, wird sie hier zu einem scheusslichen, fast rattenähnlichen Geschöpf mit fahler Haut, leuchtenden Augen, spitzen Ohren und zu Klauen verformten Händen degradiert. Zweifellos hat sich Produzent Kobritz an Friedrich Wilhelm Murnau´s Stummfilm-Kreatur Nosferatu orientiert, die durchaus als Verwandtschaft Barlow´s durchgehen könnte. Tobe Hooper soll sich wegen des Vampirdesigns mehrere Male mit Kobritz heftige Wortgefechte geliefert haben, da der Regisseur sich enger nach King´s Visionen richten wollte. Es liegt nahe, dass die Auftritte des Blutsaugers im Film aus diesem Grund an einer Hand abzuzählen sind - und Barlow hat nur eine einzige kurze Dialogzeile! Unter der hässlichen Maske versteckt sich Reggie Nalder, der 1977 den Diener eines Vampirs in Zoltan - Draculas Bluthund darstellte. Für die europäische Fassung von Salem´s Lot drehte Hooper einige weitere Szenen, deren Gewaltpotential deutlich über dem des im US-TV Zumutbaren liegt. Dabei ist es aber die lange Fernsehfassung, welche die gelungenere der beiden Versionen ist. Zwar baut sich das gesamte Geschehen langsamer auf, aber insgesamt wirkt das TV-Werk stimmiger und beeindruckender.

 
Brennen muss Salem
Salem´s Lot
 
 
 
Alternativtitel:
Der Schrecken im
Marsten-Haus
(TV-Zweiteiler)
Salem´s Lot: The Movie
(US-TV)
Blood Thirst
(US-TV)
USA, 1979
170 Minuten (TV-Zweiteiler),
146 Minuten (gekürzte TV-Fassung) Farbe
 
 
Regie
Tobe Hooper
Drehbuch
Paul Monash
Kamera
Jules Brenner
Musik
Harry Sukman
Schnitt
Carroll Sax
 
Tom Pryor
Effekte
Jack Young
Produktion
Richard Kobritz
 
 
David Soul
Ben Mears
James Mason
Straker
Lance Kerwin
Mark Petrie
Bonnie Bedelia
Susan Norton
Lew Ayres
Jason Burke
Julie Cobb
Bonnie Sawyer
Elisha Cook
Weasel
Reggie Nalder
Barlow
James Gallery
Peter Callahan
George Dzundza
Cully Sawyer
Ed Flanders
Dr. Bill Norton
Clarissa Kaye
Marjorie Glick
Brad Savage
Danny Glick
Ronnie Scibner
Ralphie Glick
Barbara Babcock
June Petrie
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Ted Petrie
   
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