In dem kleinen englischen Städtchen Midwich nimmt das Leben seinen gewohnten Gang, als plötzlich alle Einwohner ohnmächtig zusammensinken. Schnell ist das Militär zur Stelle und sperrt alle Zufahrtswege zu der Gemeinde, wobei man entdeckt, dass sich der Ort unter dem Einfluss eines Energiefeldes befindet, in dessen Wirkungsbereich jedes Lebewesen - ob Mensch oder Tier - unweigerlich das Bewusstsein verliert. Nach vier Stunden ist der Spuk genauso schnell wieder vorbei, wie er gekommen ist: die Bürger erwachen aus dem tiefen Schlaf, ohne sich an etwas Ungewöhnliches erinnern zu können. Da niemand zu Schaden gekommen ist, verdrängt man das unheimliche Ereignis für einige Wochen - bis sich herausstellt, dass zwölf Frauen schwanger geworden sind, darunter auch ein siebzehnjähriges Mädchen, welches noch Jungfrau ist! Neun Monate später werden innerhalb weniger Stunden zwölf gesunde Kinder geboren, sechs Mädchen und ebenso viele Jungen...

Die Zeit vergeht. Der Arzt Gordon Zellaby, selbst Einwohner von Midwich, beobachtet die Entwicklung der Brut mit steigendem Interesse. Die Kinder gleichen sich wie Geschwister, tragen alle helles, blondes Haar und sind ihren gleichaltrigen Gefährten weit überlegen, was darauf zurückzuführen ist, dass sie im Kollektiv - quasi wie ein einziges Gehirn - denken: was eines der Kinder lernt, wissen die anderen ebenfalls. Was schon bedrohlich genug ist - doch mit zunehmendem Alter entwickeln die Kleinen telepathische Kräfte und die Fähigkeit, unliebsamen Zeitgenossen ihren Willen aufzuzwingen und in den Selbstmord zu treiben! So schiesst ein Farmer, der die teuflische Brut mit einer Flinte bedroht, sich selbst in den Kopf. Zellaby hegt den Verdacht, dass die Kleinen Vorboten einer ausserirdischen Invasion sein müssen und beschliesst, diesen Plan mit allen Mitteln zu verhindern. Mit einer Bombe in seiner Aktentasche geht er zum Unterricht seiner Zöglinge, die ihn bereits wissbegierig erwarten. Natürlich bemerken sie sofort seine Nervösität und versuchen, ihm auf telepathischem Wege das Geheimnis zu entlocken. Doch Zellaby hat eine geistige Mauer errichtet, um sich nicht zu verraten. Schliesslich beginnt seine mentale Blockade langsam zu zerbröckeln, da sein Geist der Kraft der Kinder nicht widerstehen kann. Sekundenbruchteile vor der Explosion erkennt die Brut seinen Plan...

John Wyndham gilt heutzutage als Vorreiter der Science Fiction auf dem europäischen Kontinent. Seine ersten Stories wurden bereits zu Beginn der 30er Jahre unter diversen Pseudonymen wie "Johnson Harris", "John Benyon" oder "Wyndham Parkes" in US-Magazinen abgedruckt, doch seinen bedeutendsten Roman veröffentlichte der Engländer 1951: The Day of the Triffids, ein endzeitlastiges Horrorszenario um fleischfressende Pflanzen, die nach der Weltherrschaft streben, welches hierzulande mit dem Titel Blumen des Schreckens versehen wurde. Sechs Jahre später erschien schliesslich das Buch The Midwich Cuckoos, das als Vorlage für mittlerweile drei Filmadaptionen diente. Die deutsche Übersetzung des Romans trägt den aus der Luft gegriffenen Namen Es geschah am Tage X, obwohl der englische Titel die Geschichte von ausserirdischen Invasoren, die nach dem "Kuckucks-Prinzip" in ein irdisches Nest gesetzt werden, wesentlich treffender beschreibt.

Bereits 1957 erwarb Metro-Goldwyn-Mayer die Rechte an dem Stoff für eine Filmauswertung, doch erst zwei Jahre später wurde Das Dorf der Verdammten unter der Regie des in Berlin geborenen Wolf Rilla in Angriff genommen. Ursache dieser Verzögerung war der Umstand, dass einige Elemente des Buches strengen Moralaposteln die Schamesröte ins Gesicht trieb - immerhin geht es um das ziemlich delikate Thema der "unbefleckten Empfängnis", wodurch das Werk besonders häufig zur Zielscheibe von Hetzkampagnen der katholischen Kirche wurde. So wird das Wort "Jungfrau" während der gesamten Laufzeit peinlich vermieden... Dass der Film überhaupt in die Lichtspielhäuser gelangte, ist mehr oder weniger einem Zufall zu verdanken: der Streifen kam erst zur Aufführung, als ein von MGM betriebenes Kino in London einen Lückenfüller für ein Filmprogramm benötigte und man sich an Das Dorf der Verdammten besann, der bereits mehrere Monate nach Fertigstellung in den Archiven des Studios schlummerte. Eine korrekte Entscheidung, denn heute gilt Rilla´s Werk als Klassiker des Paranoia-Kinos, der vollständig ohne militärische Propaganda auskommt, welche ein wesentlicher Bestandteil amerikanischer SF-Klamotten dieser Ära war. Das Dorf der Verdammten schlägt leise Töne an - hier geht es nicht um "Dinge aus einer anderen Welt", die unserem Planeten mit Fliegenden Untertassen und zweifellos böser Absicht einen Besuch abstatten, sondern vergleichsweise harmlos wirkende Invasoren, die sich in den Familien einnisten - und somit quasi unanatastbar werden. Welcher Vater würde schon seinem Nachkommen ernsthaften Schaden zufügen, selbst wenn er vom Sandkasten aus die Welt erobern wollte?

Statt Spezialeffekten, welche das knapp bemessene Budget von nur etwa 200.000 Dollar ohnehin überstrapaziert hätten, setzt Rilla lieber auf solide Charakterzeichnungen. In den Hauptrollen glänzen George Sanders (Rebecca, Alfred Hitchcock) und Barbara Shelley, Star diverser Hammer-Produktionen wie Blut für Dracula oder The Gorgon. Die heimlichen Stars des Filmes sind natürlich die Kinder, deren Anzahl sich von sechzig Kindern in der Literaturvorlage zu zwölf Kindern im Film reduzierte. Platinblonde Perücken, im Kontrast dazu dunkle und durchdringende Augen sowie ein völlig kinderuntypisches Verhalten der Brut genügen, um dem Publikum eisige Schauer über den Rücken zu jagen. Der Effekt der leuchtenden Augen wurde nur auf Drängen des Studios eingefügt, in Rilla´s Drehbuch war dieser Trick noch nicht vorgesehen. Der Effekttechniker Tom Howard kreierte diesen einfachen, aber wirkungsvollen Trick, indem er die Augen der Kleinen mit Negativaufnahmen derselben überzeichnete. Das Dorf der Verdammten ist ein Musterbeispiel, dass man auch ohne viel Trickzauberei höchst effektiven Horror erzeugen kann. Schon drei Jahre später erschien Children of the Damned, eine weitere, sehr frei interpretierte Adaption des Buches. Erst 35 Jahre später wagte sich John Carpenter an ein direktes Remake, welches dem Original aber kaum das Wasser reichen kann.

 
Das Dorf
der Verdammten
Village of the Damned
 
 
 
GB, 1960
75 Minuten, schwarz/weiss
 
 
Regie
Wolf Rilla
Drehbuch
Stirling Silliphant
Wolf Rilla
 
George Barclay
 
(= Ronald Kinnoch)
Kamera
Geoffrey Faithful
Musik
Ron Goodwin
Schnitt
Gordon Hales
Effekte
Tom Howard
Produktion
Ronald Kinnoch
 
 
George Sanders
Dr. Gordon Zellaby
Barbara Shelley
Anthea Zellaby
Michael Gwynn
Major Alan Bernard
Laurence Naismith
Dr. Willers
Richard Vernon
Sir Edgar Hargraves
Martin Stephens
David Zellaby
John Phillips
General Leighton
Jenny Leird
Mrs. Harrington
Richard Warner
Mr. Harrington
Thomas Heathcote
James Pawle
Charlotte Mitchell
Janet Pawle
John Stuart
Mr. Smith
Bernard Archard
Vicar
Peter Vaughan
Gobbey
   
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