Es ist ein warmer Sommernachmittag. Die Einwohner der Stadt Midwich versammeln sich zum Gemeinschaftspicknick. Plötzlich legt sich ein Schatten über die Gemeinde... und alle Menschen fallen in eine tiefe Bewusstlosigkeit. Niemand kann eine Erklärung für das seltsame Phänomen liefern - noch nicht einmal die undurchsichtige Seuchenexpertin Dr. Susan Verner, die offensichtlich mehr weiss, als sie der irritierten Bevölkerung preisgibt. Nach sechs langen Stunden erwacht Midwich wieder zum Leben. Alan Chaffee, Arzt des Ortes, bemerkt in den folgenden Wochen ungewöhnlich viele Schwangerschaften in seiner Umgebung, die sich allesamt auf den Tag des Blackouts zurückdatieren lassen.

Einige Monate später ist die Bevölkerung von Midwich um neun Personen gewachsen - fünf Jungen und vier Mädchen, die sich wie ein Ei dem anderen gleichen. Ein fünftes Mädchen kommt tot auf die Welt - mit unmenschlichen Gesichtszügen, was die Vermutung nahelegt, dass Ausserirdische ihre Finger im Spiel haben! Während ihrer Entwicklung legen die Kinder ein zunehmend beunruhigenderes Verhalten an den Tag. Sie besitzen die Gabe, bei ihren Mitmenschen die Gedanken zu manipulieren und auf diese Weise mehrere Bürger in den Tod zu treiben. Lediglich David, Sohn der Schuldirektorin Jill McGowan, kann zu seinen "Geschwistern" keinen Kontakt knüpfen. Er steht zwischen den Fronten, da seine geplante "Partnerin" leblos geboren wurde und ihm somit die Bezugsperson fehlt. Während sich die Situation immer mehr zuspitzt, berichtet Susan dem Arzt, dass es ähnliche Vorfälle überall auf der Welt gegeben hat. Um die vermeintlich ausserirdische Brut loszuwerden, habe man dort ganze Ortschaften bombardiert, ohne auf die betroffenen Familien Rücksicht zu nehmen. Endlich erkennt Chaffee den Ernst der Lage und fasst den Plan, den Kindern mit einer Bombe den Garaus zu machen. Nur David lässt er entkommen, sehr wohl der Gefahr bewusst, die von dem Kleinen ausgeht.

Sein erstes Remake eines Science Fiction-Klassikers inszenierte John Carpenter 1882 mit Das Ding aus einer anderen Welt, welches den Schrecken der Literaturvorlage Who goes there? von John W. Campbell jr. exzellent auf die Leinwand übertrug, aber wegen der sehr grafisch dargestellten Gewalt an den Kinokassen unterging. Mitte der 90er wollte Carpenter sich erneut an ein Remake wagen - diesmal sollte es Der Schrecken vom Amazonas sein. Er schrieb ein Drehbuch, dessen Realisation sich jedoch als zu kostspielig erwies. Stattdessen bot man ihm eine Neuverfilmung von Wolf Rilla´s bedrohlichem Gruselstreifen Das Dorf der Verdammten an. Die Rechte an dem Stoff befanden sich bereits seit den 70er Jahren im Besitz von Produzent Michael Preger, doch bislang scheiterten alle Verhandlungen mit Regisseuren - darunter auch mit Wes Craven (Scream), der allzu viele Änderungen gegenüber dem Roman The Midwich Cuckoos bemängelte. Carpenter, der dem Erfolg nun ohnehin schon seit mehreren Jahren hinterherläuft, nutzte die Gelegenheit und sagte zu, nachdem er sich die Option sichern konnte, ein eigenes Skript verfassen zu dürfen.

Die neue Fassung des Dorf der Verdammten zeigt, dass Carpenter aus den Fehlern gelernt hat, die Das Ding... zur finanziellen Katastrophe werden liessen. Obwohl ihm mit zwölf Millionen Dollar ein Vielfaches jenes Budgets zur Verfügung stand, mit dem Rilla seinen Klassiker inszenierte, hält sich Carpenter dezent mit Spezialeffekten zurück. Vielmehr orientiert er sich eng an dem Original und baut langsam eine bedrohliche Atmosphäre auf, die man in seinen neueren Werken immer wieder vermisst. Nur wenige Änderungen hat er in die Geschichte einfliessen lassen. So sind es diesmal nur neun Kinder, von denen eines (David) sich zwischen Gut und Böse - zwischen einem Mitglied der menschlichen Gemeinschaft und einem Welteneroberer - entscheiden muss. Eine weitererer Unterschied zum Rilla-Film ist die Einführung einer weiblichen Hauptrolle. Kirstie Alley (Star Trek 2) verkörpert eine zynische Forscherin, die aber mehr durch ihren permantenten Nikotinausstoss als durch Charaktertiefe auffällt, so dass ihr schmerzvolles Ableben keinen grossen Verlust darstellt. Durch diese geringen Abweichungen vom Original ist es Carpenter nicht gelungen, das Thema zeitgerecht aufzubereiten. 1960 war Rilla´s Film in gewisser Weise ein Tabu-Brecher, weil erstmals Kinder als skrupellose und unkontrollierbare Mini-Monster der heilen Welt der Familie einen hinterhältigen Tritt verpassten. Doch 1995 - im Zeitalter von milchgesichtigen Psychopathen (Das zweite Gesicht) und vom Teufel besessenen Mädchen (Der Exorzist) - wirken Carpenter´s Nachfolger vergleichsweise harmlos. So kann das Remake eigentlich nur Zuschauern empfohlen werden, die eine chronische Abneigung gegen schwarz-weisse Bilder haben oder den sympathischen Christopher Reeve (Superman) in seiner letzten Rolle vor seinem folgeschweren Reitunfall sehen möchten, seit dem er an den Rollstuhl gefesselt ist.

 
Das Dorf
der Verdammten
Village of the Damned
 
 
 
USA, 1995
102 Minuten, Farbe
 
 
Regie
John Carpenter
Drehbuch
David Himmelstein
Kamera
Gary B. Kibbe
Musik
John Carpenter
 
Dave Davies
Schnitt
Edward A. Warschilka
Effekte
KNB EFX Group
 
Industrial Light & Magic
Produktion
Michael Preger
 
Sandy King
Ausf. Prod.
Ted Vernon
 
Shep Gordon
 
Andre Blay
 
 
Christopher Reeve
Alan Chaffee
Kirstie Alley
Dr. Susan Verner
Linda Kozlowski
Jill McCowan
Michael Paré
Frank McCowan
Meredith Salenger
Melanie Roberts
Mark Hamill
Reverend George
Pippa Pearthree
Sarah
Peter Jason
Ben Blum
Karen Kahn
Barbara Chaffee
Thomas Dekker
David
Lindsey Haun
Mara
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