Seit einiger Zeit wird die in San Francisco lebende Karen Tandy von einem Tumor geplagt, der mit rasanter Geschwindigkeit in ihrem Nacken heranwuchert. Durch eine Operation soll ihr Leiden beendet werden, doch ohne erkennbaren Grund spielen kurz vor dem Eingriff die medizinischen Geräte verrückt... und einer der Ärzte wird dabei nicht nur verwundet, sondern muss auch feststellen, dass es sich bei dem Geschwür um einen Fötus handelt! Da die Ärzte mit ihrem Latein am Ende sind, stellt Harry Erskine, Karens Freund und Amateur-Wahrsager, der älteren Damen mit dem Auslegen von Tarot-Karten das Geld aus der Brieftasche schwindelt, selbst einige Recherchen an. Auf diesem Wege macht er die Entdeckung, dass es sich bei dem unheimlichen Lebewesen, welches aus Karens Hals herauswächst, um einen 400 Jahre alten Schamanen namens Misquamacus handelt, der zu seiner Zeit von den Weissen in den Tod getrieben wurde und nun zurückkehrt, um Rache an den Bleichgesichtern zu üben!

Harry bittet daraufhin John Singing Rock, einen „modernen“ Medizinmann, um Unterstützung. Dieser kann dem Dämon zwar nicht viel entgegensetzen, zumal er den Kontakt mit Misquamacus um jeden Preis zu verhindern versucht, er offenbart Harry aber immerhin das Geheimnis, dass jeder Gegenstand eine Seele, einen „Manitou“, besitzt und als Waffe gegen den mittlerweile wiedergeborenen Schamanen eingesetzt werden kann. Dieser hat sich in der Zwischenzeit auf einer ganzen Etage des Krankenhauses breitgemacht und das Stockwerk in einen riesigen Kühlschrank verwandelt. Durch die von den Medizinern eingesetzte Röntgenstrahlung zu einem hässlichen Gnom entstellt, fordert Misquamacus schon bald die ersten Opfer unter dem Personal. Die „Manitous“ der Computer können den indianischen Giftzwerg schliesslich bannen und in Form blitzender Lichtstrahlen in die Ewigen Jagdgründe zurückschicken.

Mit dem Roman Der Manitou legte der Brite Graham Masterton den Grundstein für eine überaus erfolgreiche Schriftsteller-Karriere, der mittlerweile schon weit über 100 Romane entsprungen sind, die allerdings nicht alle dem Horrorfach anzurechnen sind. Seinen Debütroman verfasste er 1975 in einer einzigen Woche, der Umfang des Buches beschränkt sich auf gerade einmal 170 Seiten. Trotzdem wurde die Pulp-Story ein Bestseller, so dass 1979 ein Sequel mit dem Titel Die Rückkehr des Manitou erschien, und die Serie 1992 schliesslich mit Burial: A Novel of the Manitou zu einer Trilogie erweitert wurde. Auffallend ist, dass ab der zweiten Auflage von Der Manitou auf Wunsch des Verlegers ein alternatives Ende eingesetzt wurde, welches letzten Endes auch im Film zu sehen ist. Ursprünglich wurde Misquamacus´ Schicksal nicht durch den Einsatz von HighTech-Geistern, sondern durch eine Geschlechtskrankheit besiegelt! Erst in einer Sonderedition zum 25. Jubiläum des Romans wurde das Originalende wieder abgedruckt. Damit dürfte die Erstausgabe einen beträchtlichen Sammlerwert haben.

Regisseur William Girdler entdeckte den Roman auf dem Flughafen von New York, als er sich zur Überwachung des Scores von Panik in der Sierra Nova auf der Reise nach London befand. Noch während des Fluges verschlang er das Buch und sicherte sich – kaum am Ziel angekommen – telefonisch für 50.000 Dollar die Rechte an Mastertons Gruselstoff. Die Geschichte um einen amoklaufenden Indianer-Dämon erschien ihm wie geschaffen für einen Film, und bei Avco Embassy Pictures stiess er schnell auf Interesse. In drei Tagen legte er in Zusammenarbeit mit dem Darsteller und Co-Produzenten Jon Cedar einen Rohentwurf des Drehbuches vor, drei Monate später begann schon die Vorproduktion des mit einem Etat von drei Millionen Dollar teuersten Films Girdlers. Der Manitou ist ein Schnellschuss, herausgekommen im Fahrwasser von Blattys Der Exorzist, und deutlicher wie bei anderen Literaturverfilmungen zeigen sich hier die Probleme, eine zwar verrückte, aber fesselnde Story zu einem fesselnden, aber nicht verrückt wirkenden Film zusammenzuleimen. Der komplette Film wirkt wie eine Anhäufung sehr guter Makeup-Effekte bis hin zu grottigen Tricksereien, bei dem die Handlung nebensächlich ist, so dass eigentlich nur Trash-Fans auf ihre Kosten kommen. Das kuriose Finale, welches von Girdler während Interviews als „richtungsweisend“ und „bisher nicht dagewesen“ anpries, zeigt Susan Strasberg in einer Art „Parallel-Universum“ aufrecht in einem schwebenden Krankenhausbett sitzend, während sie die Kräfte der Computer-“Manitous“ bündelt und schliesslich in bester Star Wars-Manier Laserstrahlen auf den angesichts des netten Anblicks ihrer entblössten Oberweite abgelenkten Misquamacus „abfeuert“! Das ist Schund vom Feinsten, der Unterhaltungsfaktor steigt in astronomische Höhen! Zu Girdlers Verteidigung muss man allerdings sagen, dass er dieses Finale noch überarbeiten wollte. Dazu konnte es leider nicht mehr kommen, weil er am 21. Januar 1978 auf der Suche nach Drehorten für sein nächstes Projekt, den zehn Millionen Dollar teuren Science Fiction-Streifen The Overlords, auf den Phillipinen mit einem Helikopter abstürzte und im Alter von nur 30 Jahren mit zwei Assistenten und dem Piloten ums Leben kam. Die Premiere von The Manitou konnte er nicht mehr erleben. In Amerika lief der Film recht erfolgreich in den Lichtspielhäusern, hierzulande blieb der Erfolg jedoch aus, so dass er unter dem idiotischen Titel Lasersturm neu gestartet und auf Video als Geburt des Dämon und Super-Zombie (um wenigstens von der damals aktuellen Zombie-Welle zu profitieren) vermarktet wurde.

 
Der Manitou
The Manitou
 
 
 
Alternativtitel:
Lasersturm

Super-Zombie

Geburt des Dämon
 
USA / Kanada,1977
95 Minuten, Farbe
 
 
Regie
William Girdler
Drehbuch
William Girdler
John Cedar
 
Thomas Pope
Kamera
Michael Hugo
Musik
Lalo Schifrin
Schnitt
Bub Asman
 
Gene Ruggiero
Effekte
Tom Burman
 
(Makeup-Effekte)
 
Gene Griff
 
Tim Smythe
 
(Mechanische Effekte)
 
CFI
 
Van Der Veer Photo FX
 
(Optische Effekte)
Produktion
William Girdler
Ausf. Prod.
Melvin G. Gordy
 
Melvin Simon
 
Herman Weist
 
 
Tony Curtis
Harry Erskine
Michael Ansara
John Singing Rock
Susan Strasberg
Karen Tandy
Stella Stevens
Amelia Crusoe
Jon Cedar
Dr. Jack Hughes
Ann Sothern
Mrs. Karmann
Burgess Meredith
Dr. Snow
Jeanette Nolan
Mrs. Winconis
Joe Gieb
Misquamacus
Ann Mantee
Krankenschwester
Lurene Tuttle
Mrs. Hertz
Hugh Corcoran
MacArthur
Tenaya
Mrs. Singing Rock
Jan Heininger
Wolf
Carole Hemingway
Prostituierte
Michael Laren
Michael
   
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© Christian Lorenz
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