Im „utopischen“ Jahr 1999 erprobt das LETAC, das „Law Enforcement Technology Advancement Center“ in Los Angeles, einen Simulator, in dem angehende Polizisten in der Virtuellen Realität für ihren Einsatz gegen das Verbrechen geschult werden sollen. Um die künstlich geschaffene Welt möglichst realistisch wirken zu lassen, hat der leitende Programmierer des LETAC, Daryl Lindenmeyer, einen digitalen Superganoven erschaffen, der die Persönlichkeitsstrukturen von 183 historischen Schurken – darunter Jeffrey Dahmer, Charles Manson und auch Hitler - in sich vereint. Der Name: Sid 6.7, abkürzend für „Sadistic, Intelligent, Dangerous“...

Da dieses Programm aber keineswegs ausgereift ist und es dank Sid´s enthusiastischem Übereifer immer wieder ungesunde Komplikationen gibt, müssen sich zunächst Häftlinge im Cyberspace behaupten. Parker Barnes ist eines dieser freiwilligen Versuchskaninchen, das sich durch seine Teilnahme an dem Experiment eine Senkung der siebzehnjährigen Haftstrafe erhofft. Er wurde wegen Mordes verurteilt, weil er auf der Jagd nach dem Killer seiner Familie das Leben einiger Unschuldiger auslöschte. Als es bei einer der virtuellen Verbrecherjagden erneut zu einem tödlichen Zwischenfall kommt, will die Regierung das Projekt auf Eis legen... doch Lindenmeyer findet einen Weg, die Persönlichkeit seiner „Schöpfung“ mittels Nanotechnologie in einen fast unverwüstlichen Androidenkörper und somit in die Realität zu versetzen! Nun nicht mehr an die Grenzen seines computerabhängigen Daseins gebunden, startet Sid einen blutigen Streifzug durch die ihm fremde Welt, die ihm nur von der anderen Seite des Bildschirms bekannt ist...

Ex-Cop Barnes, der als einzige Testperson im Simulator Sid Paroli bieten konnte, wird in die Freiheit entlassen, um den amoklaufenden Androiden unschädlich zu machen. Was für Sid nicht mehr wie ein makabres Spiel ist, wird für Barnes zu einem persönlichen Rachefeldzug, als er erkennt, dass eine von Sid´s Persönlichkeiten dem Mörder seiner Familie gehört! Der äusserst egozentrische Schurke stattet derweilen einer Kampfsportarena einen Besuch ab, um live vor einem Millionenpublikum einen Menschen zu töten – quasi als kleinen Vorgeschmack auf sein nächstes Vorhaben: das „Death TV“!

Bereits 1991 wagte Regisseur Brett Leonard mit seinem Rasenmäher-Mann einen Ausflug in die Welten des Cyberspace und konnte mit diesem Werk die Aufmerksamkeit Hollywoods für solche Stoffe gewinnen. Der Erfolg des Filmes basierte jedoch weniger auf einer besonders innovativen Story, sondern mehr auf den vor zehn Jahren noch spektakulären Computer-Animationen und der Tatsache, dass Der Rasenmäher-Mann ungerechtfertigt als Adaption einer Kurzgeschichte von Stephen King angepriesen wurde. Mit Virtuosity widmet sich Leonard vier Jahre später erneut der Virtuellen Realität, diesmal allerdings mit einem dreimal so hohen Budget (30 Millionen Dollar).

Die Idee hinter Virtuosity ist keineswegs neu: wieder einmal muss ein Knacki die Welt vor einem bösen Buben bewahren. Das gab es schon bei Sylvester Stallones Demolition Man, und leicht verändert bereits in den frühen 80ern mit John Carpenters Klapperschlange. Nur den beiden hervorragenden Hauptdarstellern ist es zu verdanken, dass Virtuosity nicht zu den SF-Actiongurken gezählt werden kann, die unsere Videotheken überschwemmen. Denzel Washington verkörpert Barnes und gibt sich hier nach ernsthaften Rollen wie in Philadelphia oder dem Sklavendrama Glory, für das er mit einem Oscar ausgezeichnet wurde, ausnahmsweise einmal als Actionstar. Ihm zur Seite steht die niedliche Kelly Lynch (Drugstore Cowboy) als Polizeipsychologin Madison Carter, die aber eigentlich nur einen attraktiven Blickfang darstellt. Unbestrittener Star des Filmes ist Russell Crowe (Gladiator) als Sid 6.7, ein psychopathischer Playboy im Maßanzug mit dem Gemüt eines Kindes, das erst zufrieden ist, wenn es im Mittelpunkt des Interesses steht... Im Prinzip ist er die perfekte Symbiose aus dem Aussehen eines Hollywood-Schönlings, der rabenschwarzen Seele eines Massenmörders und der Schlagzeilen-Sucht einer frühen Jenny Elvers :) Insofern kann man Virtuosity als bissigen Kommentar an der Sensationsgeilheit der Medien verstehen, denn Sid treibt die Einschaltquoten seines „Death TV“ in traumhafte Höhen, indem er Menschen vor laufenden Kameras hinrichtet. In einer kleinen Nebenrolle ist Ex-Hardcore-Queen Traci Lords (Der Vampir aus dem All) als Disco-Sängerin im knappen Lederfummel zu sehen.

Die zahlreichen digitalen Tricks wurden von Leonards eigenem Studio „L2 Communications“ realisiert. Zum Teil sind diese sogar recht gewalttätig ausgefallen, was die FSK dazu veranlasste, einige Minuten aus diesem HighTech-Alptraum herausschneiden zu lassen. Chris Walas (Die Fliege) sorgte für die nötigen „handfesten“ Makeup-Effekte, die sich ebenfalls sehen lassen können. Im Vergleich mit seinen früheren Filmen ist Leonards Virtuosity eine deutliche Steigerung. Zwar bleibt die Handlung voraussehbar, aber der bissige Humor und nette Actioneinlagen machen den Film zu einem leicht verdaulichen, megateuren und spannenden B-Movie.

 
Virtuosity
Virtuosity
 
 
 
Alternativtitel:
Virtuosity - Verbrechen
hat ein neues Programm
 
USA, 1995
99 Minuten, Farbe
 
 
Regie
Brett Leonard
Drehbuch
Eric Bernt
Kamera
Gale Tattersall
Musik
Christopher Young
Schnitt
B.J. Sears
 
Rob Hobrin
Effekte
Chris Walas
 
(Makeup-Effekte)
 
L2 Communications
 
(Digitale Effekte)
Produktion
Gary Lucchesi
Ausf. Prod.
Howard W. Koch jr.
Co-Prod.
Gimel Everett
 
 
Denzel Washington
Parker Barnes
Russell Crowe
Sid 6.7
Kelly Lynch
Madison Carter
Stephen Spinella
Dr. Lindenmeyer
William Forsythe
William Cochran
Louise Fletcher
Elizabeth Deane
Kevin J. O´Connor
Clyde Reilly
William Fichtner
Wallace
Costas Mandylor
John Donovan
Traci Lords
Sängerin
Christopher Murray
Matthew Grimes
Kaley Cuoco
Karin
Mari Morrow
Linda Barnes
Heidi Schanz
Sheila 3.2
Danny Goldring
John Symes
   
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