Morella
Seit dem Tod seiner Gattin Morella dämmert Mr. Locke in seinem maroden Schloss dahin. Plötzlich taucht seine Tochter Lenora auf, die er seit ihrer Geburt vor 26 Jahren nicht mehr gesehen hat. Der mittlerweile zum Alkoholiker verkommene Locke gibt ihr die Schuld am frühen Ableben seiner Gemahlin, dementsprechend ist der Empfang alles andere als herzlich. Sie kann ihn trotzdem überreden, eine Nacht zu verbleiben. Als Lenora wenig später die Zimmer des ehemals stolzen Schlosses erkundet, entdeckt sie schockiert den mumifizierten Leichnam ihrer Mutter. Noch in derselben Nacht kehrt Morella ins Leben zurück, um Lenora zu töten. Nach vollbrachter Tat fährt ihr Geist in den Körper ihrer Tochter ein, um ihre grausige Rache zu vervollständigen. Auch Geister können nachtragend sein...

Die schwarze Katze
Der unausstehliche Lump Montresor ist zwar mit der wunderhübschen Annabel verheiratet, doch seine wahre Leidenschaft gehört dem Alkohol. Eines Tages lernt er bei einer Weinprobe Fortunato kennen, einen hochangesehenen Weinkenner. Der Trunkenbold fordert Fortunato zu einem Wettstreit heraus, wer von ihnen mehr edle Tropfen am Geschmack erkennen kann. Dieser willigt, zunächst amüsiert über den glubschäugigen Wichtigtuer, ein, doch nach etlichen Jahrgängen steht fest, dass die beiden gleichwertige Experten auf dem Gebiet des Weinkonsums sind. Fornunato begleitet den nun bis über beide Ohren abgefüllten Montresor nach Hause und lernt dabei Annabel kennen. Es kommt, wie es kommen muss: die beiden verlieben sich und beginnen eine heimliche Affäre. Als Montresor in einem nüchternen Moment von dem Zeitvertreib seiner Gattin Wind bekommt, betäubt er die beiden Turteltauben und mauert sie bei lebendigem Leib im Keller ein. Dabei bemerkt er nicht, dass sich das Schmusetier seiner Frau, die schwarze Katze, ebenfalls hinter der frisch errichteten Mauer befindet. Genau dieses Versehen soll ihm zum Verhängnis werden: Als Polizisten das Haus nach der vermissten Annabel untersuchen, werden sie durch die Geräusche der Katze auf das Versteck der Leichen aufmerksam.

Die Tatsachen im Fall Valdemar

Der reiche Valdemar leidet an einer unheilbaren Krankheit und ist sich darüber im Klaren, dass seine Tage bald gezählt sein werden. Er beauftragt den undurchsichtigen Hypnotiseur Carmichael, seine Schmerzen mittels Hypnose zu lindern, was auch tatsächlich gelingt. Valdemars Vertrauen in den Scharlatan geht schliesslich soweit, dass er einem geheimnisvollen Experiment zustimmt: Carmichael will ihn im Augenblick seines Todes in Trance versetzen, um einen Beweis liefern zu können, dass die Seele auch nach dem Tod noch weiterlebt. Als Valdemar endlich stirbt, kann er jedoch keinen Frieden finden, weil seine Seele in dem leblosen Körper gefangen ist und nicht die Schwelle zum Jenseits erreichen kann. Jetzt zeigt Carmichael sein wahres Gesicht: er will dem Verblichenen die Totenruhe erst schenken, wenn sich dessen Gattin Helene auf eine Ehe mit ihm einlässt. Angesichts dieser Dreistigkeit erhebt sich Valdemar von seinem Totenbett, rächt die gemeine Erpressung und zerfliesst anschliessend zu einer ekelhaften Masse.

1960 rief Roger Corman mit Die Verfluchten eine lange Serie von Gruselfilmen ins Leben, die sich am Werk von Edgar Allan Poe orientierten. Auch wenn sich die Verfilmungen nur sehr locker auf die Geschichten des Romantikers stützten, entpuppten sich die allesamt sehr billig inszenierten Streifen als wahre Goldgrube für „American International Pictures“. Eifrige Verfechter der Poe´schen Literatur rümpften die Nase, aber der Erfolg beim Publikum gab den Filmemachern recht. Einen Darsteller, den man unweigerlich mit Cormans Werken in Verbindung bringt, ist Vincent Price. Die Horrorlegende spielte alleine in sieben Poe-Adaptionen Cormans mit. In der 1962 erschienenen Anthologie Der grauenvolle Mr. X übernimmt er gleich drei verschiedene Rollen, gemeinsam mit Peter Lorre (M – Eine Stadt sucht einen Mörder) und Basil Rathbone (Der Hund von Baskerville, 1939) bildet er hier das Triumvirat des Terrors. Richard Matheson (Der Omega-Mann) schrieb das Drehbuch zu dem Gruselstück, dabei montierte er vier Kurzgeschichten des Schriftstellers zu drei Episoden.

Morella basiert auf der gleichnamigen Erzählung, die 1840 das Licht der Welt erblickte. Price verkörpert hier einen gebrochenen Charakter, der sich jahrelang – in Selbstmitleid versunken – in seinem düsteren Schloss verkrochen hat. Besonders gut kommen hier die grossartigen Sets von Daniel Haller zur Wirkung, der fünf Jahre später selbst sein Regiedebüt mit der Lovecraft-Adaption Das Grauen auf Schloss Witley lieferte. Trotzdem ist Morella der schwächste Beitrag in Der grauenvolle Mr. X, da vor allem das Ende zu viele Fragen offen lässt. 1990 wagte sich Trash-Meister Jim Wynorski ebenfalls an eine Adaption der Poe-Vorlage. The Haunting of Morella zeigt aber kaum Gespür für Nervenkitzel, dafür umso mehr nackte Haut seitens Hauptdarstellerin Nicole Eggert (The Demolitionist). In der Episode Die schwarze Katze ist Peter Lorre die zentrale Figur und es gelingt ihm hier mühelos, Vincent „Fortunato“ Price die Schau zu stehlen. Als ungeniessbarer Schluckspecht Montresor ist er eine wahre Augenweide, sein Trinkduell mit Fortunato gehört zu den besten Szenen, in der die beiden gemeinsam vor der Kamera standen. Die Episode vereint Elemente der beiden Poe-Vorlagen Das Fass Amontillado und der äusserst blutigen Schwarzen Katze, die 1846 und 1843 erstmals abgedruckt wurden. Zweiter erwähnenswerter Höhepunkt der Episode ist eine Traumsequenz, in der Fortunato und Annabel mit Montresors abgetrenntem (und trotzdem lebenden!) Kopf herumspielen und diesen einer Katze zum Fraß servieren! Die letzte Episode, Die Tatsachen im Fall Valdemar, ist eine lupenreine Horrorstory. Die spannende Erzählung wird nicht wie der Vorgänger durch Humor aufgelockert, sondern Corman liefert hier Gänsehaut-Feeling par excellence! Poe´s 1845 erscheinene Originalvorlage schilderte hier ein wissenschaftliches Experiment – Corman dagegen führt einen Scharlatan ein, der statt von wissenschaftlichem Forschungsdrang lediglich durch niedere Motive (Valdemars Ehefrau) geleitet wird und somit besser in die Gruselanthologie passt. Basil Rathbone, ein Star der ersten Stunde, ist als finsterer Carmichael in einer seiner letzten Leinwandrollen zu sehen. Die schwarze Katze und Die Tatsachen im Fall Valdemar wurden in dem Argento/Romero-Projekt Two Evil Eyes erneut aufgegriffen.

Drei spannende Geschichten, drei altbekannte Horrorstars in bester Form, ein guter Schuss Humor: der Festschmaus ist serviert!

 
Der grauenvolle Mr. X
Tales of Terror
 
 
 
Alternativtitel:
Schwarze Geschichten

Edgar Allan Poe´s
Tales of Terror
 
USA, 1962
88 Minuten, Farbe
 
 
Regie
Roger Corman
Drehbuch
Richard Matheson
Kamera
Floyd Crosby
Musik
Les Baxter
Schnitt
Anthony Carras
Effekte
Pat Dinga
Produktion
Roger Corman
Ausf. Prod.
Samuel Z. Arkoff
 
James H. Nicholson
 
 
Vincent Price
Locke
 
Fortunato
 
Valdemar
Peter Lorre
Montresor Herringbone
Basil Rathbone
Carmichael
Maggie Pierce
Lenora Locke
Leona Gage
Morella Locke
Joyce Jameson
Annabel Herringbone
Debra Paget
Helene Valdemar
David Frankham
Dr. Elliott James
Edmund Cobb
Fahrer
Lennie Weinrib
Polizist
John Hackett
Polizist
Scotty Brown
Diener
Wally Campo
Barkeeper
Alan DeWitt
Sprecher
   
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