Arthur Pimm verdient seinen Lebensunterhalt als Assistent in einem Museum. Eines Tages entdeckt er in der Ruine eines abgebrannten Hauses eine uralte Statue, die das Feuer offensichtlich völlig unbeschädigt überstanden hat. Er schafft die Figur ins Museum und findet dort heraus, dass es sich bei dem wertvollen Stück um den legendären „Golem“ handelt – jene Lehmfigur, die der jüdische Rabbi Loew im 16. Jahrhundert gegen die Feinde seines unterdrückten Volkes losschickte. Bei der eingehenden Untersuchung seines Fundes stösst Pimm auf eine versteckte Schriftrolle, mit der er die Figur abermals zum Leben erwecken kann...

Fortan missbraucht er den Golem für seine eigenen, hinterlistigen Pläne, obwohl er sich durchaus im Klaren darüber ist, dass die Figur ursprünglich zu völlig anderen Zwecken geschaffen wurde. Er lässt seinen Vorgesetzten von seinem willenlosen Gehilfen kurzerhand aus dem Weg räumen, um selbst dem gutbezahlten Posten des Museumsdirektors übernehmen zu können, und setzt die Statue in seinem infantilen Leichtsinn dazu ein, um seiner heimlichen Angebetenen, Ellen Grove, zu imponieren. Diese zeigt sich nur wenig beeindruckt von dem obskuren „Liebesbeweisen“ Pimms, der schliesslich die im Herzen Londons gelegene Hammersmith Bridge einreissen lässt, um ihre Aufmerksamkeit zu wecken. Stattdessen heftet sich das Militär nun an die steinernen Fersen der zerstörerischen Statue. Da sich die normalen Waffen der Armee als nutzlos erweisen, versucht man sie mit einer „kleinen Atombombe“ zu stoppen. Als Pimm dabei getötet wird, zieht sich der Golem beleidigt ins Meer zurück.

Die ersten Verfilmungen der jüdischen Legende vom „Golem“ entstanden bereits in den ersten Jahren des letzten Jahrhunderts und zählen damit zu den ältesten Vertretern des „Phantastischen Films“. In Europa erschien eine Handvoll weiterer Adaptionen, bis 1966 der Versuch gestartet wurde, die klassische Horrorstory mit komödiantischen Elementen aufzuwerten. Das Ergebnis ist Der Golem lebt, ein unausgegorener Mix aus Filmzitaten und kindischem Humor, der unverkennbar auf den US-Markt zurechtgeschnitten ist. Zwar hat der Streifen durchaus einige lustige Momente – etwa wenn Pimm dem Museumsdirektor krampfhaft zu verbergen versucht, dass der Golem zum Leben erwacht ist – aber insgesamt ist Herbert J. Leder´s Film eine Enttäuschung auf der ganzen Linie. Nicht einmal Roddy McDowall, der zwei Jahre später seinen berühmtesten Auftritt im Planet der Affen absolvieren sollte – kann den Film retten. Kann man die Parallelen zu Paul Wegeners Der Golem, wie er in die Welt kam durchaus als Hommage an den Stummfilm-Klassiker verstehen, so wirken die Verweise an Hitchcocks Psycho (Pimm lebt mit dem bereits skelettierten Leichnam seiner Mutter zusammen) völlig deplaziert und dienen nur als Aufhänger für einige billige Gags. Im gleichen Jahr entstand in Japan Majin – Monster of Terror, der erste Teil einer Trilogie, die von einem lebenden Stein-Krieger erzählt.

 
Der Golem lebt
It!
 
 
 
Alternativtitel:
The Curse of the Golem

Anger of the Golem
 
GB, 1966
95 Minuten, Farbe
 
 
Regie
Herbert J. Leder
Drehbuch
Herbert J. Leder
Kamera
Davis Boulton
Musik
Carlo Martelli
Schnitt
Tom Simpson
Produktion
Herbert J. Leder
Ausf. Prod.
Robert Goldstein
Co-Prod.
Tom Sachs
 
 
Roddy McDowall
Arthur Pimm
Jill Haworth
Ellen Grove
Paul Maxwell
Jim Perkins
Noel Trevarthen
White
Ernest Clark
Howard Grove
Aubrey Richards
Professor Weal
Oliver Johnston
Trimingham
Ian McCulloch
Detective Wayne
Richard Goolden
Rabbi
Alan Sellers
Golem
Russell Napier
   
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© Christian Lorenz
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