Steve Andrews und seine Freundin Jane beobachten in einer stillen Nacht einen Meteoriten, der ganz in ihrer Nähe in einem Waldgebiet einschlägt. Um sich das seltene Souvenir zu sichern, fahren die beiden gleich zu der vermeintlichen Absturzstelle... und überfahren dabei fast einen alten Mann, der ihnen blind vor den Wagen läuft. An dessen Hand bemerken sie eine schleimige Masse, die offenbar von dem Steinbrocken aus dem All stammt und dabei ist, langsam das Gewebe des Mannes zu zersetzen. Die Teenager bringen den vor Schmerzen stöhnenden Landstreicher zu Dr. Hallen, der mit der Situation jedoch überfordert ist. Hilflos muss er mitansehen, wie der gallertartige Parasit seinen Patienten verschlingt und sich seine Assistentin Kate im Anschluss als Dessert einverleibt! Bei den vergeblichen Versuchen, das Ungetüm mit Säure und Gewehrschüssen aufzuhalten, kommt Hallen schliesslich selbst ums Leben. Steve und Jane werden Zeuge der schrecklichen Ereignisse und beschliessen, die Bevölkerung vor dem Meteoritenmonster zu warnen. Natürlich hält die Polizei die abenteuerliche Geschichte der Teenies für einen dummen Streich und glaubt kein Wort. Erst als der „Blob“ seinen Hunger in einem vollbesetzten Kino stillt, wird man hellhörig. Doch nun ist es bereits zu spät: das gefräßige Ungeheuer ist durch den Verzehr zahlreicher Bürger bereits auf die Grösse eines Hauses herangewachsen und damit quasi unbesiegbar. Steve und Jane verkriechen sich in einem Fast-Food-Laden. Hier haben die beiden endlich die rettende Idee: da der Blob auf Kälte empfindlich reagiert, kann er mit dem Trockeneis eiligst herbeigeschaffter Feuerlöscher unschädlich gemacht werden. Die erstarrte Masse wird von der Armee kurzerhand in der Arktis entsorgt...

Eine grosse Welle von Science Fiction-Filmen überschwemmte die Lichtspielhäuser in den 50ern. In diesen Jahren wurden die Kinoleinwände von allerhand sonderbaren Besuchern von anderen Planeten heimgesucht – in der Arktis stolperte man über Gemüsemenschen (Das Ding aus einer anderen Welt), tollkühne Marsianer zerstörten Städte in ihren fliegenden Kisten (Kampf der Welten), pyjamatragende Hünen raubten der Bevölkerung Kaliforniens den eigenen Willen (Invasion vom Mars). Zu den skurrilsten Bedrohungen jener Ära gehört jedoch eine unansehnliche, schleimige Substanz mit einer Vorliebe für menschliches Futter: der Blob!

Der Blob ist gewiss einer der ungewöhnlichsten Monsterfilme der 50er Jahre, da sich die titelgebende Kreatur radikal von den anderen Film-Monstern dieser Zeit unterscheidet. Im Gegensatz zu den altbekannten „Man-in-Suit“-Monstern (Darsteller, die man einfach in ein Gummikostüm gesteckt hatte) oder Stop Motion-Figuren bestand das ausserirdische Ungetüm schlicht aus einem Silikonbrei, den man über einem grossen luftgefüllten Ballon verteilte und auf dem Set in Bewegung versetzte, um dem „Blob“ somit Leben einzuhauchen. Desweiteren nutze man Miniaturmodelle oder Fotos, die man mit dem Silikon vollkleckerte, um eine Attacke des Marmeladenmonsters zu simulieren. Trotz der simplen Blob-Auftritte benötigte man ganze neun Monate, bis alle Effekte im Kasten waren, während die Crew für die normalen Dreharbeiten nur 31 Tage benötigte. Mit den typischen Paranoia-Filmen der McCarthy-Ära hat der Blob nicht allzu viel gemeinsam. Zwar nimmt das Monstrum während der Mahlzeiten eine rote Farbe an, aber das ist die einzige Parallele zu den Gefahren jenseits des Eisernen Vorhangs, vor denen man sich in den 50er Jahren noch fürchtete. Es gibt keine schleichende Invasion wie bei den Body Snatchers oder der Invasion vom Mars, sondern einfach nur ein dummes und gefrässiges Untier in einem Film, der in erster Linie Spass machen soll. Demzufolge vermisst man im Blob auch den typischen Lobesgesang auf das amerikanische Militär und die Wissenschaft – die Armee dient letzten Endes nur noch als Müllabfuhr, um das besiegte Monster ins Ewige Eis zu verfrachten.

Die Idee für den Monsterspass ist auf Jack H. Harris zurückzuführen, der seit vielen Jahren im Filmverleih tätig war, aber von den Streifen, die er unter das Volk brachte, alles andere als begeistert war. Er entschloss sich, selbst zu produzieren und wandte sich mit seiner Idee an die Valley Forge Film Studios, eine Gruppe gläubiger Methodisten, die bis dato etwa 150 religiöse und politische Kurzfilme, aber noch keinen einzigen abendfüllenden Film inszeniert hatten. Irvin S. Yeaworth Jr., der Vorsitzende der Vereinigung, übernahm schliesslich auch die Regie beim ersten „Feature Film“ des Studios, dessen Thematik sich so sehr von den bisherigen Produktionen unterschied. In den beiden nachfolgenden Produktionen Der 4D-Mann und Dinosaurus arbeiteten Yeaworth Jr. und Harris weitere Male zusammen, jedoch waren diese beiden Filme nicht annähernd so erfolgreich wie ihr Erstlingswerk. Der Film, der seinen Titel im Lauf der Produktion von The Molten Meteorite über The Glob (es gab schon ein gleichnamiges Kinderbuch mit diesem Namen), The Night of the Creeping Dead, The Meteorite Monster bis hin zum Blob wechselte, spielte bei einem Budget von rund 240.000 Dollar stolze acht Millionen Dollar ein und wurde von den Paramount Studios gekauft, die diesen Streifen mit I Married A Monster From Outer Space als „Double Feature“ in die Lichtspielhäuser brachten.

Neben den charmanten Trickeffekten ist Steve McQueen ein weiterer Grund, sich diesen Streifen auf keinen Fall entgehen zu lassen. Der damals noch völlig unbekannte Darsteller hat im Blob seine erste Hauptrolle und avancierte erst zwei Jahre später durch den Western Die Glorreichen Sieben zum Weltstar. Obwohl McQueen bereits 28 Jahre alt war, verkörpert er hier einen siebzehnjährigen (!) Teenager – zwar kann er als Jugendlicher kaum überzeugen, aber bei diesem Film kann man getrost darüber hinwegsehen. Immerhin gelingt Harris mit der Titelrolle die perfekte Verknüpfung des Monstergenres mit den populären Teenagerdramen, welche dank James Deans Denn sie wissen nicht, was sie tun (1955) ganz hoch im Kurs der amerikanischen Jugend standen. Auch im Blob dreht es sich um eine Gruppe unverstandener Teens, die von der Erwachsenenwelt nicht ernst genommen und ungerechtfertigt nur mit Alkohol und Autorennen in Verbindung gebracht werden. McQueen wurden für die Rolle des „Rebellen“ 3000 Dollar oder eine Gewinnbeteiligung angeboten – er entschied sich für das Bargeld, ohne ahnen zu können, zu welchem Erfolg dieser haarsträubende Trash gelangen würde, an dem er da beteiligt war...
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Blob - Schrecken
ohne Namen
The Blob
 
 
 
Alternativtitel:
Angriff aus dem Weltall
 
Arbeitstitel:
The Glob

The Glob That Girled The Globe

The Meteor Monster

The Molten Meteorite

The Night of the Creeping Dead
 
USA, 1958
85 Minuten, schwarz/weiss
 
 
Regie
Irvin S. Yeaworth Jr.
Drehbuch
Kay Linaker
Irving H. Millgate
 
Theodore Simonson
Kamera
Thomas E. Spalding
Musik
Burt Bacharach
Schnitt
Alfred Hillmann
Effekte
Bart Sloane
Produktion
Jack H. Harris
 
 
Steve McQueen
Steve Andrews
Aneta Corsaut
Jane Martin
Olin Howlin
Alter Mann
John Benson
Sergeant Bert
Elbert Smith
Henry Martin
Alden Chase
Dr. Hallen
Lee Paton
Schwester
Elinor Hammer
Mrs. Porter
Audrey Metcalf
Elizabeth Martin
Hugh Graham
Jasper Deeter
Pamela Curran
Robert Fields
   
IMDb OFDb

Nicht nur der Film wurde zu einem Überraschungshit, sondern auch der Titelsong der Five Blobs, der von Burt Bacharach (Casino Royale) komponiert wurde. Der jazzige Song mit em simpel gestrickten Text (siehe Kasten) entwickelte sich zum Ohrwurm und stand wochenlang in den Top40! 1991 machte sich eine amerikanische Comedy-Truppe namens „L.A. Connection“ einen Spass daraus, den Klassiker mit einer neuen Synchronisation zu unterlegen. Sie verpassten dem Blob einen animierten Mund und eine Stimme und verwandelten das Monstrum in Blobermouth, einen pausenlos wirres Zeug von sich gebenden, ausserirdischen Besucher. Es wurden Musical-Einlagen und Sex-Zoten eingefügt, manche Szenen umgeschnitten oder mit neuen Aufnahmen ergänzt. Insgesamt ist das Ergebnis jedoch nur speziell den Fans der „L.A. Connection“ oder des Mystery Science Theater 3000 zu empfehlen.

 
Beware of the Blob, it creeps
And leaps and glides and slides
Across the floor
Right through the door
And all around the wall
A splotch, a blotch
Be careful of the Blob!
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© Christian Lorenz
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