Mariana Hargis entdeckt im Kühlschrank einen metallenen Zylinder mit dem geheimnisvollen Aufdruck „Specimen – Keep Frozen“, den ihr Gatte Chester, Pipeline-Arbeiter von Beruf, aus dem hohen Norden Alaskas mitgebracht hat. Während er nach monatelanger Abwesenheit die heimischen Biervorräte dezimiert und sich im Fernsehen einen alten Horrorstreifen ansieht, entfernt sie kurzerhand den Behälter aus dem Gefrierfach. Sie ahnt nicht, dass es sich bei dem Inhalt um jene ausserirdische Lebensform handelt, die vor einigen Jahren für Aufregung sorgte und nur im gefrorenen Zustand völlig harmlos ist. Natürlich taut der „Blob“ wieder auf... mit neuer Lebensenergie und einem Mordshunger! Nachdem der zunächst noch kleine Baby-Blob eine Stubenfliege und Samuel, das niedliche Mietzekätzchen der Familie, verschlungen hat, landen die Hargis´ ungefragt auf dem Speiseplan. Nun auf ernstzunehmende Grösse herangewachsen, schleimt sich die Kreatur in die Kanalisation der Stadt, um von hier aus die nichtsahnende Bevölkerung anzugreifen. Lisa und Bobby, ein verliebtes Hippie-Pärchen, sind die einzigen, die Zeuge der ausserirdischen Invasion werden und versuchen, die Polizei zu mobilisieren. Vergeblich – ihre Warnungen werden in den Wind geschlagen! So kann der Blob ungestört weitere Opfer verschlingen... bevorzugt zugekiffte Teenies oder volltrunkene Landstreicher. Als der Blob sich über die Besucher einer Bowling-Bahn hermacht, werden Bobby und seine Freundin in einer kleinen Kabine eingeschlossen. Hier beobachten die beiden, wie der Blob um einige auf dem Fussboden verstreute Eiswürfel einen grossen Bogen schlägt. Die rettende Idee: die Klimaanlage wird angeworfen... der Blob gefriert!

Der unerwartete Erfolg und die vielen Fans, die den Monsterspass Blob – Schrecken ohne Namen zum Kultfilm ernannten, brachten Harris 1972 schliesslich auf die Idee, eine Fortsetzung zu drehen. Als Basis für diesen Film sollte ein Skript mit dem Titel „A Chip Off The Old Blob“ dienen, welches bereits seit einigen Jahren in einer Schublade lagerte. Als Larry Hagman, allseits bekannt als fieser J.R. Ewing der Endlos-Serie Dallas, der am Strand von Malibu gleich neben Harris´ Anwesen residierte, von den Plänen hörte, liess er es sich nicht nehmen, persönlich beim Produzenten vorzusprechen und sich selbst für den Regiestuhl vorzuschlagen. Harris willigte ein... mit der Bedingung, Hagman müsse sich selbst um die Besetzung des Sequels kümmern. Beware! The Blob sollte als „The Movie J.R. Shot“ in die Geschichte des B-Movies eingehen!

Schon die schräge Titelmusik lässt erahnen, dass man es hier mit einem typischen Produkt der 70er Jahre zu tun hat. Zu den Bildern eines herumstreunenden Kätzchens ertönt Zirkusmusik, die hin und wieder vom lauten Miauen des Tieres unterbrochen wird. Hier wird wieder einmal deutlich, was die Monsterfilme der 50er Jahre von denen der zumeist schnell heruntergekurbelten Produktionen der 70er Jahre unterscheidet: in den 50ern gaben sich die Filmemacher weitgehend Mühe, ihre Bedrohungen aus dem All glaubhaft darzustellen. Auch wenn das nicht immer gelungen ist, so können diese Filme fast alle zumindest einen nostalgischen Charme aufweisen, der den Filmen der 70er Jahre komplett fehlt. Trotz erheblich verbesserter Produktionsbedingungen und Effekttechniken haben manche Monsterstreifen dieser Ära derart primitive Effekte, dass selbst die eingefleischten Trash-Fans ihre liebe Not mit diesen Filmen haben. Beware! The Blob gehört ebenfalls in diese Kategorie und gesellt sich damit zu solchen Gurken wie The Giant Spider Invasion und Empire of the Ants. Die Tricks belaufen sich in erster Linie auf ein lieblos in Bild hineinkopiertes Gummimonster oder Luftfolie, die man mit einem Gebläse in Bewegung versetzte! Larry Hagman, der hier seine erste (und zum Glück auch einzige) Regiearbeit ablieferte, war sich dem hohen Trash-Faktor seines Werkes wohl durchaus bewusst und würzte den Film deshalb mit einigen Comedy-Einlagen, so dass sich das Publikum letztlich nicht mehr sicher ist, ob der Streifen nun einen Horrorfilm, eine Genreparodie oder eine Hommage an das Monsterkino der 50er Jahre darstellen soll. Zu den skurrilen Gestalten, die hin und wieder in Beware! The Blob auftauchen, gehören ein Frisör, der sich selbst für einen begnadeten Künstler hält und vierhundert Dollar für einen Haarschnitt haben will, ein Türke, der in der Badewanne vom Blob überrascht wird und daraufhin nackt aus dem Fenster flieht, sowie ein rollstuhlfahrender Priester, der den Blob mit einem Kreuz aufhalten will! Ausserdem wimmelt es von Anschlussfehlern: in einer Szene gehen die beiden jugendlichen Hauptdarsteller in das Hargis-Haus, um nach den verschwundenen Bewohnern zu sehen. Im hellen tageslicht betreten sie das Gebäude, doch als sie es nach wenigen Minuten wieder verlassen, ist es stockdunkle Nacht geworden! Ein netter Einfall ist es dagegen, dass Godfrey Cambridge im Fernsehen ausgerechnet Blob – Schrecken ohne Namen sieht, bevor er gefressen wird.

Für diesen Unsinn gelang es Hagman immerhin, eine erstaunliche Anzahl an namhaften TV-Darstellern in seinem Freundeskreis zusammenzutrommeln, die er seinem schrägen Monster als Futter vorwarf. Gleich das erste Opfer des Blobs ist Blaxploitation-Star Marlene Clark (Ganja & Hess), an ihrer Seite ist Godfrey Cambridge (Cotton comes to Harlem) zu sehen, der ebenfalls einer der Wegbereiter des schwarzen Kinos war. In weiteren Nebenrollen sind Burgess Meredith (Der Manitou), Carol Lynley (Die Höllenfahrt der Poseidon), Dick Van Patten (Jahr 2022 ...die überleben wollen), Gerrit Graham (Des Teufels Saat) sowie Cindy Williams, bekannt aus der Serie Happy Days, vertreten. Larry Hagman liess es sich ebenfalls nicht nehmen, eine winzige Rolle als Landstreicher zu absolvieren.

So manche Kinobesucher dürften sich über einen rund sieben Minuten langen Vorfilm gefreut haben, der in manchen Filmtheatern gezeigt wurde. Joshua and the Blob, ein 1971-72 entstandener Cartoon, handelt von dem freundlichen Monster Joshua, welches eines Tages einem pinkfarbenen „Blob“ – der eher einem Farbklecks ähnelt – über den Weg läuft. Die anfängliche Abscheu gegenüber dem fremdartigen Wesen verwandelt sich nach einiger Zeit in Neugierde und schliesslich in Freundschaft. Die Begeisterung Joshuas steigt ins Unermessliche, als sich der Klecks in eine wunderschöne Monsterdame verwandelt! Joshua and the Blob ist ein Lehrstück über Vorurteile gegenüber fremden Personen und wurde mehrfach ausgezeichnet, auf Animationsfilm-Festivals in London, Zagreb und Hollywood räumte John Langes Film gleich mehrfach den Ersten Preis ab. Mit Harris´ Horrorfilmen hat dieser Comic bis auf die Namensgleichheit natürlich nichts zu tun! Joshua and the Blob ist Teil einer Cartoon-Reihe, die anderen Filme heissen Joshua in a Box und Joshua and the Shadow. Animator Bob Greenberg (Dark Star) war an der Entstehung dieser Serie massgeblich beteiligt.

 
Beware! The Blob
(kein deutscher Titel)
 
 
 
Alternativtitel:
Son of Blob

Here comes the Blob

Beware of the Blob
 
USA, 1972
88 Minuten, Farbe
 
 
Regie
Larry Hagman
Drehbuch
Richard Clair
Jack H. Harris
 
Anthony Harris
Kamera
Al Hamm
Musik
Mort Garson
Schnitt
Tony de Zarraga
Effekte
Tim Barr
 
Doug Beswick
 
(Animierte Sequenz)
Produktion
Anthony Harris
Ausf. Prod.
Jack H. Harris
 
 
Robert Walker Jr.
Bobby Hartford
Gwynne Gilford
Lisa Clark
Richard Stahl
Edward Fazio
Godfrey Cambridge
Chester Hargis
Marlene Clark
Mariana Hargis
Carol Lynley
Leslie
Larry Hagman
Landstreicher
Dick Van Patten
Pfadfinder
Preston Hagman
Scout
Gerrit Graham
Kostümierter Gast
Richard Webb
Sheriff Jones
Del Close
Cindy Williams
Burgess Meredith
Patrick McAllister
Tiger Joe Marsh
Byron Keith
Danny Goldman
William B. Foster
   
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© Christian Lorenz
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