Ein Beinahe-Zusammenstoss mit einem Meteoriten zwingt die Astronauten Christopher „Kit“ Draper und Dan McReady zu einer Notlandung auf dem Mars. In zwei winzigen Fluchtkapseln, die nur jeweils einer einzigen Person und einem Minimum an Werkzeugen und Lebensmitteln Platz gewähren, stürzen die beiden auf die Oberfläche des Roten Planeten und werden dort getrennt. Draper verbringt eine einsame Nacht und begibt sich am nächsten Tag auf die Suche nach seinem Gefährten. Als er ihn nur wenige Kilometer entfernt findet, gefriert ihm das Blut in den Adern: MacReady hat die harte Landung nicht überlebt... und er ist nun der einzige Mensch auf diesem fremden Planeten! Einzig das Maskottchen der Crew, das Äffchen Mona, hat den Absturz unversehrt überstanden. Draper glaubt sich bereits verloren – die Atmosphäre ist giftig und nur für einen kurzen Zeitraum „geniessbar“, weiterhin reichen die Nahrungsmittel höchstens einige Tage. Mit den wenigen noch funktionstauglichen Gegenständen, die er in den Trümmern der Kapseln findet, zieht er sich in eine Höhle zurück. Nachdem er entdeckt, dass er durch das Erhitzen von Marsgestein den so dringend benötigten Sauerstoff gewinnen und er in einer unterirdischen Quelle Wasser schöpfen kann, keimt langsam wieder Hoffnung in ihm. Doch die stetige Einsamkeit beraubt ihn allmählich seiner Sinne.

Eines Tages beobachtet er die Ankunft mehrerer Raumschiffe und steht kurze Zeit später einem Fremden gegenüber. Es stellt sich heraus, dass sich der Neuankömmling auf der Flucht vor ausserirdischen Sklaventreibern befindet, die sein Volk zum Abbau eines wertvollen Erzes missbrauchen. Nach anfänglichem Misstrauen freundet sich Draper schliesslich mit ihm an, gibt ihm den Namen „Kosmos“ und lehrt ihn seine Sprache. Als die Raumschiffe wiederkehren, um ihren entflohenen Sklaven einzufangen, müssen Draper und Kosmos den Schutz ihrer primitiven Behausung verlassen und sich einen sichereren Ort suchen. Sie gelangen zu den Polkappen des Roten Planeten... und werden hier von einem irdischen Rettungskommando endlich in Sicherheit gebracht.

Die Fusion der klassischen Erzählung Robinson Crusoe von Daniel Dafoe und dem Science Fiction-Genre mag sich zunächst nach einem wirren Trashfilmchen der untersten Schublade anhören, doch der Zuschauer wird von der einfühlsamen Geschichte, die sich ihm in poppig-bunten Farben auf der Mattscheibe präsentiert, gewiss positiv überrascht sein. Byron Haskin, Regisseur des Klassikers Kampf der Welten, konzentriert sich in diesem Werk keineswegs auf futuristische Maschinen, glubschäugige Aliens und sonstige Zutaten, die sonst in den Genrebeiträgen der 60er Jahre alltäglich waren, sondern stellt zumindest in der ersten Hälfte das Handeln und Denken Drapers in den Vordergrund. Paul Mantee (Der Manitou) verkörpert perfekt den gestrandeten Astronauten, dessen Überleben jeden Tag einen neuen Kampf mit den ungewohnten Elementen des Mars darstellt. Gerade weil dieser SF-Film eher „Fiction“ als „Science“ ist, kann man auch über die wissenschaftlichen Ungereimtheiten wie Luft oder Wasservorräte auf dem Roten Planeten hinwegsehen.

Das erste Skript für Robinson Crusoe auf dem Mars ging auf das Konto von Ib Melchior, der einige Jahre zuvor mit Weltraumschiff MR-1 gibt keine Antwort einen absoluten Low-Budget-Kracher ablieferte und mit den wahnwitzigen Mars-Kreaturen dieses Streifens auch heute noch die Herzen hartgesottener C-Movie-Fans höher schlagen lässt. Riesen-Insekten und ähnliches Ungeziefer sollten auch in der Robinsonade auftauchen, aber wegen Budget-Problemen beauftragte man kurzerhand John C. Higgins damit, sämtliche Monsterauftritte aus dem Drehbuch zu entfernen. Ein weiser Entschluss, da sich die mehr schlecht als recht inszenierten Trickeffekte somit nur auf die ausserirdischen Sklavenschiffe und gelegentliche Meteoritenschauer beschränken. Wer genau aufpasst, wird die Raumschiffe aus Kampf der Welten wiedererkennen, die nur leicht modifiziert wurden! Immerhin entschädigen die fantastischen (eingefärbten) Landschaften des Death Valley, in dem ein Grossteil der Aussenaufnahmen entstanden, für die missratenen Effekte.

Robinson Crusoe auf dem Mars ist ein Vertreter der „ruhigen“ Science Fiction, weitgehend ohne technischen Firlefanz und feindselige Mutanten. Von daher stellt Haskins Film eine originelle Ausnahme von den Standard-Utopien der 60er Jahre dar und ist einen Blick wert. Wolfgang Petersen inszenierte zwanzig Jahre später mit Enemy Mine – Geliebter Feind eine ähnliche Geschichte.

 
Robinson Crusoe
auf dem Mars
Robinson Crusoe on Mars
 
 
 
USA, 1964
92 Minuten, Farbe
 
 
Regie
Byron Haskin
Drehbuch
Ib Melchior
John C. Higgins
Kamera
Winton C. Hoch
Musik
Leon Carr (Titelsong)
 
Nathan Van Cleave
Schnitt
Terry Morse
Effekte
Lawrence "Larry" Butler
Produktion
Aubrey Schenck
Ausf. Prod.
Edwin F. Zabel
 
 
Paul Mantee
Commander Draper
Victor Lundin
Freitag, bzw. "Kosmos"
Adam West
Dan McReady
   
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© Christian Lorenz
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