|
Allzu häufiger Konsum von Schundliteratur soll Gerüchten
zufolge nicht förderlich für die Psyche labiler Personen
sein. Dr. Richard Vollin, ein brillianter Chirurg, sollte dies eigentlich
wissen, doch er ist selbst ein glühender Verehrer Edgar Allan
Poes. Sein gesamtes Schloss ist ein Sammelsurium makabrer Installationen,
die er den Werken des amerikanischen Schriftstellers nachempfunden
hat so gibt es einen Raum, dessen Wände sich zusammenschieben
und jedes darin befindliche Lebewesen unweigerlich zerquetschen
ebenso wie jenes berühmte Pendel des Todes, eine
sich langsam auf das an einem Tisch festgebundene Opfer herabsenkende
und messerscharfe Klinge!
Eines Abends verunglückt Jean, die Tochter von Richter Thatcher,
mit ihrem Auto und liegt seitdem im Koma. Die Ärzte sind ratlos,
so dass ihr Vater verzweifelt Vollin aufsucht und diesen um Hilfe
bittet. Vollin willigt ein, zumal er ein Auge auf das hübsche
Mädchen geworfen hat, und tatsächlich gelingt es ihm,
sie zu retten. Umso grösser ist seine Enttäuschung, als
er feststellen muss, dass ihr Herz für den Arzt Jerry Halden
schlägt. Diese Erkenntnis macht ihn so wütend, dass er
beschliesst, das Leben des Mädchens, ihres Vaters und ihres
Freundes brutal zu beenden. Der Schurke Edmond Bateman, der zur
gleichen Zeit vor der Tür steht und um eine Korrektur seines
verunstalteten Gesichtes bittet, kommt ihm da sehr gelegen: mit
einer Operation verwandelt der wahnsinnige Chirurg den aus dem Gefängnis
geflohenen Bankräuber in ein Monstrum... und zwingt ihn auf
diese Weise zur Mitarbeit!
Niemand ahnt Böses, als Vollin einige Freunde für
ein Wochenende auf sein Schloss einlädt, um dort eine Party
zu geben. Neben mehreren Berufskollegen befinden sich unter den
geladenen Gästen auch Jerry, Jean und ihr Vater, denen die
Ehre gebühren soll, Vollin´s Folterinstrumente am eigenen
Leib zu testen. Während die anderen Gäste schlafen, verschleppt
Bateman die drei in den Keller. Der Richter wird unter dem Pendel
des Todes platziert, das Liebespärchen landet in dem
schrumpfenden Raum. Vollins hinterhältiger Plan scheint sich
zu erfüllen... doch Bateman, der an diesem grausamen Spiel
nicht länger beteiligt sein will, befreit die drei sicheren
Todeskandidaten und überlässt den verrückten Arzt
seinen tödlichen Spielzeugen.

Nach dem grandiosen Erfolg von The
Black Cat war es nur eine Frage der Zeit, bis die Horrorgrössen
Boris Karloff und Bela Lugosi ein zweites Mal gemeinsam vor der
Kamera auftreten sollten. Flugs wurden eine Handvoll Drehbuchautoren
mit der Aufgabe bedacht, eine Geschichte zu verfassen, die wie bereits
Murders in the Rue Morgue und The
Black Cat auf einer Idee von Edgar Allan Poe basieren und
den beiden zugkräftigen Stars auf den Leib geschrieben sein
sollte. Die endgültige Fassung des Drehbuches ging auf das
Konto von David Boehm (Die Goldgräber von
1933), welches bis auf wenige Details mit Poe´s Gedicht
The Raven nichts mehr gemeinsam hat. Der
wahnsinnige Vollin entpuppt sich zwar als Bewunderer des Schriftstellers
und rezitiert während der Ausübung seiner Rachepläne
begeistert aus dem Werk Poe´s, doch den direkten Bezug zum
Filmtitel stellt nur die Statue eines Raben dar, die auf dem Schreibtisch
des Chirurgen steht. Durch das Pendel des Todes, welches
Vollin in seinem Keller errichtet hat, hätte man den Film ebenso
gut nach Poe´s The Pit and the Pendulum
betiteln können...
Während Karloff und Lugosi in ihrem ersten gemeinsamen Film
gleichgewichtige Rollen hatten, dominiert Lugosi in The
Raven eindeutig das Geschehen. Er verkörpert den finsteren
Chirurgen voller Elan, wirft allerhand mysteriöse Sprüche
in die Runde und wandert mit dieser Darstellung auf dem Grad zur
Selbstparodie, den er aber nie überschreitet. Sein Dr.
Vollin gehört gewiss zu den besten Rollen seiner Karriere.
Trotz seiner führenden Rolle bekam er mit 5.000 Dollar Gage
nur die Hälfte dessen, was Karloff für seine Nebenrolle
als Bateman erhielt. Karloff ist in The Raven
in einer typischen Frankenstein-Rolle zu
sehen er spielt zwar einen Mörder und dank Vollins chirurgischem
Eingriff auch ein hässliches Monster, aber trotzdem stellt
er sich im Finale auf die Seite des Guten. Der dritte gemeinsame
Universal-Streifen der beiden Darsteller ist The
Invisible Ray, in dem Karloff seinem Kollegen wieder die
Schau stehlen darf.
The Raven wurde mit einem Gesamtbudget
von 115.000 Dollar produziert. Die eindrucksvollste Requisite am
Set dieses Thrillers war das Pendel des Todes, eine
funktionstüchtige Apparatur, die zunächst von einigen
Elektromotoren in Bewegung versetzt werden sollte. Weil die Schwingungen
des Pendels jedoch zu unregelmässig waren, ersetzte man die
Motoren durch ein überdimensionales Uhrwerk! Für den Regisseur
Louis Friedlander bot der Film für mehrere Jahre die einzige
Möglichkeit einer Zusammenarbeit mit den beiden Horrorstars.
Erst 1942 traf er unter dem Pseudonym Lew Landers in dem Film The
Boogie Man will get you ein weiteres Mal auf Karloff, ein
Jahr darauf in The Return of the Vampire
auf Lugosi. Keiner der beiden Streifen konnte jedoch die Klasse
von The Raven erreichen.
|
|
| |
|
USA, 1935
|
|
61 Minuten, schwarz/weiss
|
| |
|
|
| |
|
Regie
|
Louis Friedlander
|
| |
(= Lew Landers)
|
| Drehbuch |
David Boehm
|
|
|
Florence Enright
|
| |
Michael L. Simmons
|
| |
Dore Schary
|
| |
Guy Endore
|
| |
Clarence Marks
|
| |
Jim Tully
|
| |
John Lynch
|
|
Kamera
|
Charles J. Stumar
|
|
Musik
|
Clifford Vaughan
|
|
Schnitt
|
Albert Akst
|
|
Effekte
|
Jack P. Pierce
|
| |
(Makeup-Effekte)
|
|
Produktion
|
Carl Laemmle Jr.
|
|
Ausf. Prod.
|
Stanley Bergerman
|
| |
|
|
| |
|
Bela Lugosi
|
Dr. Richard Vollin
|
| Boris Karloff |
Edmond Bateman
|
| Lester Matthews |
Dr. Jerry Halden
|
| Irene Ware |
Jean Thatcher
|
| Samuel S. Hinds |
Richter Thatcher
|
| Spencer Charters |
Colonel Grant
|
| Maidel Turner |
Mrs. Harriet Grant
|
| Ian Wolfe |
Geoffrey
|
| Inez Courtney |
Mary Burns
|
| Arthur Hoyt |
Mr. Chapman
|
| Cyril Thornton |
Butler
|
|